192 Briefe zu Beförderung
Und doch hangt von diesem scharfgehaltenenAugpunkt aller Nutzen der Geschichte ab; die Figu-ren des Gemähldes werden untreu, verworren unddunkel, wenn man ihnen dies Licht raubet. Wieviel B. ist über Machiavells Fürsten ge-sagt worden, und doch zweifle ich, ob mit ausge-machtem Resultate? indem einige dies Buch für«ine Satyre, andre für ein verderbliches Lehrbuch,andre für ein wankendes, schwachköpflges Mitteldingzwischen beiden halten. Und ein Schwachkopf warwahrlich Machiavell nicht; er war ein Geschicht-und Welterfahmer, dabei ein redlicher Mann, einfeiner Beobachter, und ein warmer Freund seinesVaterlandes. Daß er den Werth und die Formvon mancherlei Staaten gekannt habe, davon zeugenseine Dekaden über denLivius, und daßer kein Verralher der Menschheit werden wollte, be-weiset jede Zeile seiner andern Schriften, so wiebis zum Alter hinan sein geführtes Leben. Wohernun das Mißverstandniß die ser Schrift einesSchriftstellers, der so bestimmt, rein und schön zuschreiben wußte? Woher, daß dieß Mißverstandnißsich zwei Jahrhunderte erhalten, und den feinstenKöpfen mitgetheilt hat, so daß ihm selbst der großeVerfasser des A n t i - M a chi av e ll s nicht ent-kommen mochte? Und doch ging das Buch zwei undsiebenzig Jahre umber, gebilliat und gelesen; niemandfand darin Arges. Machiavell hatte es einem Fürsten
aus
verbessern und bestärken. Der große Königselbst hat seine Schriften gelesen und geehrt.