der Humanitär. ZZg
betrachtet werden; willkühkliche Sonderungen, Ver-werfungen einzelner Züge und Gebräuche durch ein-ander geben keine Geschichte. Bei solchen Samm-lungen tritt man in ein Beinhaus, in eine Geräch-und Kleiderkammer der Völker; nicht aber in dielebendige Schöpfung, in jenen großen Garten, indem Völker, wie Gewächse erwuchsen, zu dem siegehören, in dem Alles, Luft, Erde, Wasser, Son-ne, Licht, selbst die Raupe, die auf ihnen kriechtund der Wurm, der sie verzehrt, zu ihnen gehöret*).Lebendige Haushaltung ist der Begriff derNatur, wie bei allen Organisationen, so beider vielgestaltigen Menschheit. Leid und Freude,Mangel und Habe, Unwissenheit und Bewußtseyn,stehen im Buch der großen Haushälterin neben ein-ander, und sind gegen einander berechnet.
5. Am wenigsten kann also unsre Europäi-sche Cultur das Maaß allgemeiner Menschen-güte und Menschenwerthes seyn; sie ist kein oderein falscher Maaßstab. Europäische Cultur ist einabgezogener Begriff, ein Name. Wo existirt sieganz? bei weichest, Volk? in welchen Zeiten?Ueberdem sind mit ihr (wer darf es läugnen?) soViele Mangel und Schwächen, so viel Verzückungenund Abscheulichkeiten verbunden, daß nur ein ungü-
*) Daß Sammlungen von Besonderheiten des Älen»schengeschlechts hie und da, hierin und darin, alsRegister, als Repertorien zu gebrauchen sind,wollte der Berf. diese« Briefe« nicht läugnen;nur sie sind, als solch«, noch keine Geschichte»
Y 2