388 Briefe zu Beförderung
Ganzes; wir arbeiten und dulden» säen undernten für einander.
Wie mild«, wie sanft aufmunternd; aber auchwie ernst und zusammenhaltend ist dieser Geist derMenschengeschichte! Er läßt jedes Volk an Stelleund Ort: denn jedes hat seine Regel des Rechts,sein Maaß der Glückseligkeit in sich. Er schonetalle und verzärtelt keines. Sündigen die Völker, sobüßen sie; und büßen so lang« und schwer, bissie nicht mehr sündigen. Wollen sie nicht Kinderseyn, so erzieht die Natur sie als Sklaven.
Keiner politischen Verfassung tritt dieser Geistder Geschichte zerstörend in den Weg. Er wirftnicht das Haus dem Ruhigen über den Kopf zu-sammen, «he ein anderes besseres da ist; zeigtaber dem zu Sichern mit freundlicher Hand Fehlerund Mangel des Hauses» und führt mit stillem FleißMaterialien herbei zur Stützung des alten, oderzum Bau eines bessern.
Rationalvorurtheile tastet er Nicht an : denn inihnen als Hülsen oder harten Schaalen muß manchegute Gesinnung wachsen. Er läßt sie wachsen. Wenildie Frucht reif ist, verdorret die Hülse, die Schaalezerspringt. Ihm ists recht, wenn der Franzmannund der Engländer sich ihre fturnanitö und irnrna-nit5 Englisch und Französisch mahlen; desto weni-ger wird der Ausländer um sie zu seinem Verderbbuhlen. Aus seinem Herzen muß eine Geliebtehervorgehn, die für ihn gehöret.
Am heiligsten sind dem Geist der Menschenge-schichte gutmüthige Thoren und Schwärmet; sie sind