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werfen nämlich ihre staatliche Organisation, unter dersie groß geworden, die ihnen Schutz und Schirm gewährtund die sie mit Liebe und Verehrung gepflegt, nicht vonsich wie Kinder ihr Spielzeug, das sie muthwilligzerbrechen, nachdem sie sich kurz zuvor daran erfreut.Und sollte je bei einem Volk der Wille dazu vorhandensein, so würde ihm die nöthige Kraft gebrechen. DieKrone einer mehrhundertjährigen Monarchie schlagenMenschenhände ebensowenig mit einem Schlage nieder,als diejenige einer alten Eiche!
Um die Ereignisse des 10 . August 1792 zu begreifen,werden wir daher vor Allem die Einleitungen zu unter-suchen haben, durch welche die Katastrophe vorbereitetworden ist. Wer hätte es geahnt, daß die durch deuKönig in der Absicht, sein Reich zu befestigen und zustärken, der öffentlichen Meinung gemachten Zugeständ-nisse nach drei Jahren schon zum Sturz des alten Königs-hauses führen würden? Niemals hat es sich deutlichererwahrt als im Verlauf der französischen Revolution,daß die Verhältnisse stärker sind als die Menschen. Diewohlwollenden Absichten des KönigS sind durch dieseMacht der Verhältnisse vereitelt worden, aber nicht minderauch die Pläne derer, die ihn stürzten. Große politischeoder sociale Revolutionen sind dem Kreisen der Völkerzu vergleichen; sie auf den kleinen Maaßstab von Ver-schwörungen zurückführen zu wollen, heißt die HandGottes in der Geschichte verkennen, und ist vom Stand-punkte der Intelligenz eben so irrig, als frevelhaft vondem der Moral. Eine Verschwörung kann nur danndauernde Verhältnisse schaffen, wenn das, was sie an-strebt, dem Volksgeist entspricht.
Wir schicken dieß voraus, um nicht mißverstanden zu