Die Wahl konnte nicht schwer fallen! Einsichtige Männer, gute,getreue Eidgenossen, die ein warmes Herz für das Wohl und Wehdes Landes hatten, stellten sich an die Spitze verschiedener Projekte;allein unzählige, unüberwindliche Schwierigkeiten thürmten sich vorihrem ernsten und energischen Streben auf, so daß die größten Anstren-gungen lange Zeit erfolglos blieben. Erst als der Gedanke auftauchte,einen durch die Mitte des Schweizerlandes hindurchziehenden Schienen-weg über und durch die Alpen — durch den Gotthard — zu erstellen,konnte die Hoffnung auf Erfolg Grund fassen. Einmal wurde durchdieses Project den Gesammt-Jntercssen des Landes die beste und größteRechnung getragen, weil die große Mehrheit der Schweizer -Kantonean diesem centralen Wege zunächst betheiligt ist, und anderseits wardieses Projekt wie kein zweites so sehr geeignet, fremde Hülfe, die Unter-stützung der benachbarten Staaten Italien und Deutschland herbei-zuziehen, ohne welche eine schweizerische Alpenüberschienung von vorne-herein als eine absolute Unmöglichkeit bezeichnet werden mußte.
Es ist hier wohl nicht nöthig im Einzelnen noch aufzuführen,wie das Gotthardprojekt nach und nach eine feste, faßbare Gestaltangenommen hat; nur so viel sei gesagt, daß unendlich vieleSchwierigkeiten zu überwinden waren bis eine Gesellschaft gesichertund eine feste Grundlage gefunden war. Am 15. Oktober 1869wurde ein Vertrag zwischen der Schweiz und Italien betreffend denBau und Betrieb einer Gotthard - Eisenbahn abgeschlossen und am28. Oktober 1871 erklärte das Deutsche Reich seinen Beitritt zudieser Uebereinkunft. Damals nahm man an, daß das gcsammteUnternehmen um die Summe von 187 Millionen werde erstelltwerden können. Italien verpflichtete sich 45 Millionen, Deutsch land 20 Millionen und die Schweiz 20 Millionen Franken Sub-ventions - Kapital zu leisten; der Gesellschaft blieb also noch übrig,den Rest von 102 Millionen in Aktien und Obligationen zu beschaffen.
Damit war nun das Unternehmen aus dem Stadium einesbloßen Projektes hinausgetreten. Es wurde lebensfähig, hatte Fleischund Blut gewonnen.