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maschige, astronomisch-geodätische Netze von wachsender Ausdehnung praktikable Aus-gleichungsverfahren zu studiren, ist ein dritter Zweck der in Rede stehenden Arbeiten.Eine Klärung der noch stark divergirenden Anschauungen Uber das für solche Aus-gleichungen Anzustrebende, Erreichbare und Nothwendige kann nur an der Hand nume-rischen Materiales hervorgehen, während die Aufstellung und der Gebrauch strengerMethoden für kleine Gebiete, auch bei relativ zahlreichen astronomisch-geodätischenKontrollen, keine Schwierigkeit bietet.
Durch das zu den Lothabweichungsberechnungen erforderliche Studium des ver-öffentlichten astronomischen und geodätischen Materiales werden viertens die Grund-lagen zu einer Genauigkeitsschätzung für jene Ermittelungen gewonnen, und die Aufmerk-samkeit auf solche Angaben und Verhältnisse, wie z. B. astronomische Bestimmungen,die durch versteckte Fehlereinflüsse entstellt sind, ferner mangelhafte Identität von An-schlusspunkten verschiedener Dreiecksnetze u. s. w., welche einer Prüfung durch Nach-messung oder einer Ergänzung durch Neumessung bedürfen (u. a. durch VermehrungLAPLACE’scher Kontrollen) hingelenkt.
Das vorliegende 1. Heft giebt nach allgemeinen Bemerkungen über den Rech-nungsgang und das Referenzellipsoid die zur Berechnung und vollständigen Darstellungder Lothabweichungen erforderlichen Differentialformeln in allgemeinster Gestalt, sowieFormeln für die gerade bei Lothabweichungsbestimmungen wichtige Lösung der Auf-gabe der Berechnung einer kürzesten Linie und ihrer Azimute aus den geographischenCoordinaten der Endpunkte, brauchbar bis zu Distanzen von nahezu 1 I 10 des Erdradiusund für geogr. Breiten bis zu 70° bei Benutzung von Logarithmen mit 8 Decimalstellen.Die in den Formeln auftretenden Coefficienten sind für das Intervall von 30° bis 70° derBreite in Tafeln gebracht, die am Schlüsse des Heftes sich vorfinden.
Die numerischen Rechnungen beziehen sich auf ein astronomisch - geodätischesNetz 1. Ordnung, welches sich von Berlin aus entlang der Ostsee- und Nordseeküste,sowie über Thüringen nach dem Mittelrhein zieht. Wenn in dem Gebiete dieses Netzesdie vorhandenen astronomischen Daten durch die Mittheilungen des vorliegenden Heftesnoch nicht erschöpft sind, so hat dieses seinen Grund darin, dass mit der gewähltenInhaltsbeschränkung der Arbeit eine gewisse Abrundung zutheil wurde. Im nächstenHefte werden voraussichtlich die bereits begonnenen Rechnungen für die Einschaltungder noch nicht berücksichtigten astronomischen Punkte, sowie für die Fortsetzung desNetzes 1. Ordnung, einerseits durch Belgien bis Paris, Brest und Greenwich, anderer-seits bis Schlesien, veröffentlicht werden.
Zu dem Zustandekommen der gegenwärtigen Veröffentlichung trug wesentlichder Umstand bei, dass dem Geodätischen Institut in dankenswerthester Weise von Seitender trigonometrischen Abtheilung der Königl. Preussischen Landesaufnahme eine Anzahlnoch nicht publicirter Dreiecksmessungen handschriftlich zur Verfügung gestellt wurden.
Innerhalb des Institutes haben so ziemlich alle vorhandenenen Kräfte einen