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Lothabweichungen : Formeln und Tafeln sowie einige numerische Ergebnisse für Norddeutschland : der allgemeinen Konferenz der internationalen Erdmessung im Oktober 1886 zu Berlin gewidmet
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nur eine Grundlinie angewandt, da dieses in anderer Hinsicht vorzuziehen war, und mittelst derDifferentialformeln eine wünschenswerthe Aenderung der Seitenlangen leicht bewirkt werden kann.

Jedenfalls ist aber vermieden, bei Berechnung einer geodätischen Linie, welche Dreieckeverschiedener Netze und Ketten zu ihrer Ableitung bedurfte, die Differenz der Anschlussseitenbestehen zu lassen. Unter Beibehaltung der Figur der Dreiecke wurde dann immer diese Differenzbeseitigt, um zu verhindern, dass sie die Azimutübertragung zwischen beiden Endpunkten derbetreffenden geodätischen Linie beeinflusse. Dieser Einfluss würde in der Regel ein schädlicher sein,da die Figur des für eine mässig lange geodätische Linie erforderlichen Dreiecksnetzes aus denWinkeln am sichersten erschlossen wird.

Nach erfolgter Ausgleichung geben die Gleichungen zwischen den Lothabweichungen benach-barter Punkte successive alle Lothabweichungen, insoweit die erforderlichen Resultate astronomischerMessungen vorliegen. Endlich können dann die Lothabweichungen der nicht ins Netz 1. Ordnungaufgenommenen astronomischen Punkte durch Anschluss an dieses ermittelt werden.

Als Centralpunkt des Netzes 1. Ordnung wurde der trigonometrische Punkt Rauenberg beiBerlin gewählt, namentlich wegen seiner Nähe an der Berliner Sternwarte, welche, da sie selbst keingeodätischer Punkt ist, zum Centralpunkt nicht geeignet erschien, die aber als Ausgangspunkt der astro-nomischen Bestimmung zahlreicher geographischer Längenunterschiede und durch annähernd centraleLage in Europa Bedeutung hat. Diese Bedeutung wird im Laufe des Sommers 1886 auf den nahenRauenberg durch scharfe Bestimmung des Längenunterschiedes übertragen werden.

Die geographischen Längen sind indessen von Greenwich aus gezählt. '

§ 2. Das Ref'erenzellipsoid.

Als Dimensionen des den Lothabweichungsberechnungen zu Grunde gelegten abgeplatteten Ro-tationsellipsoides wurden diejenigen des BesseZschen Erdellipsoides angenommen. Hierbei war wesentlichder Umstand maassgebend, dass dieses Ellipsoid vielfach bei geodätischen Arbeiten, insbesondere denen derEuropäischen Gradmessung,*) benutzt wird. Allerdings zeigen Clarke 's bezügliche Rechnungen,**)in Verbindung mit den in Nordamerika gemachten Erfahrungen,***) dass eine Vergrösserung desAequatorialhalbmessers von 800 m bis 900 und eine Vergrösserung der Abplattung von ^ bis ^ ihresBetrages durch die seit Bessel unternommenen ausgedehnten geodätischen Operationen gefordert wird.Indessen sind diese Quantitäten noch klein genug, um ihre Einflüsse bei Lothabweichungsberech-nungen in ausreichender Schärfe mittelst Differentialformeln bestimmen zu können. Auch hat sichwenigstens für den von Bessel gefundenen Abplattungswerth wieder eine Stütze in einer neuerenDiskussion der Pendelbeobachtungen ergeben.-j*)

*) Vergl. das Protokoll der am 24/26. April 1862 in Berlin abgehaltenen vorläufigen Beratkung über das Projekteiner Mitteleuropäischen Gradmessung, Nr. 6.

**) Comparisons of the Standards of Length ete. London, 1866, p. 281287.

Geodesy by Colonel A. li. Clarke, Oxford 1880, p. 319.

***) Report of the Superintendent of the U. S. Coast and Geodetie Survey showing the progress of the uforkduring the fiscal year ending with June 1879. Washington 1881, p. 110 u. ff.

Report . . 1880. Washington 1882, p. 53. Darnach ist Clarke 's zweiaxiges Ellipsoid von 1866 seit 1880 zurBerechnung der geodätischen Vermessungen an Stelle des früher benutzten Besser sehen auf Grund der Erfahrungen ein-geführt, welche in den Vereinigten Staaten von N.-A. gemacht wurden.

f) H. II, S. 241 (10).

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