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Bei der Landwehr : vor Metz und die Schlacht von Beaune la Rolande / Von Gneomar Ernst v. Natzmer
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In wenigen Tagen war die Formation des Bataillons, außerden Attachierten 16 Offiziere, 70 Unteroffiziere und 803 Mann,vollendet. Ich teilte meine Mannschaft in zwei Abteilungen, indie Uniformierten nnd Nichteingekleideten, deren jeder ich besondereFührer gab und ließ die ersteren aus dem Marsche, den wir am26. Juli nach der Gegend von Minden antraten, den Reigen er-öffnen, die anderen ihnen in der Entfernung von ca. 1000 Schrittfolgen.

In allen Stücken hielt ich, in beiden Abteilungen, auf diegleiche peinliche Marsch-, Quartier- und Straßenordnung und er-freute mich eines solchen Eifers, daß es bei Unregelmäßigkeitengenügte, die einen mit dem Hinweis darauf zu tadeln, daß sieeingekleidete Soldaten seien, den anderen auszusprechen, daß nichtder Rock sondern das Herz den Soldaten mache. Als wir späterin der Nähe von Bückeburg Kantonnements bezogen, wurde derEhrgeiz beider Kategorieen dadurch angestachelt, daß ich die Schei-dung der Mannschaft aufrecht erhielt, die einen nach Klein-Brcmen,wo ich mein Quartier nahm, die anderen nach Lohfeld legte undsie bei meinen Ausstellungen nach ihren Quartieren benannte.

Die Zeit der Muße auszufüllen, wurde in beiden Abteilungen,unter Pflege eines ausgebildeten Korporalschaftsdienstes, instruiertund im Detail und geschlossen exerziert und ließ ich dazu denNichteingekleideten die Gewehre stundenweise verabfolgen.

Da nicht wenige Unteroffiziere und Leute das Gewehr, welcheswir hatten, irre ich mich nicht Thouvenaint, nicht kannten oderden Gebrauch desselben vergessen hatten, machte die Chargierungund der Anschlag nicht geringe Schwierigkeiten. Auch war es miß-lich, daß ich, in meinem detachierten Verhältnis, keinen Büchsen-macher hatte und mir einen solchen erst aus einem Eisenfabrikantenheranbilden mußte. Ich hatte mein Quartier in der Pfarre vonKlein-Bremen, bei einem würdigen Ehepaar (Gößling), welches essich, trotz der bescheidenen Verhältnisse, in welchen es sonst lebte,nicht nehmen ließ, mich und meinen Burschenanf das beste zuverpflegen" und damit auch seinerseits, wie der Pfarrer sich aus-drückte, dem Vaterlande ein Opfer zu bringen.

Die Nähe von Hannover wurde der natürliche Anlaß, daßmeine Frau, mich zu besuchen, an einem Sonntage nach dem be-