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Bei der Landwehr : vor Metz und die Schlacht von Beaune la Rolande / Von Gneomar Ernst v. Natzmer
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flüchteten Fabrikherrn einquartiert, dessen Repräsentantin eine alteBonne war, die für alles Notwendige sorgte. Es gefiel uns sehrwohl in dem Hause unseres Gastgebers, zumal nach französischerArt nicht nur die Gesellschaftsräume, sondern auch die Schlafzim-mer elegant mit Fauteuils, Chaiselongue und anderen Bequemlich-keiten ausgestattet waren.

Auffallend war uns nur, daß der Hausherr kein besonderesArbeitszimmer hatte. Man sagte uns aber, daß der Franzose nicht wieder Deutsche liebe seine Mußestunden am Schreibtische zu verbringen.

Unser Frühstück und was wir sonst hier bekamen, verzehrtenwir, unter anregenden Gesprächen, gemeinsam, in dem von jedemgebildeten Franzosen gepflegten Salto ä mansssr.

Die Hauptmahlzeiten nahmen wir in einem HStel ein undwurden recht gut bedient. Die Hauptsache war für mich, daß wirjetzt mobil waren und auf französischem Boden standen. Die unsdazu erforderlichen Wagen und Pferde sollten wir demnächst zumTeil aus den eroberten Beständen von Sedan empfangen.

Ich ahnte noch nicht, welche schweren Verluste mein altes Re-giment am 16. bei Mars-la-Tour gehabt hatte!

Unsere Leute wurden gut verpflegt, jedermann bekam täglich1 Pfund Fleisch, */z Flasche Wein und 5 Cigarren.

Auf meine Bitte erhielt ich von der Kommandantur zur Re-: tablierung meiner Compagnie: 50 Paar Stiefel, 200 Fußlappen^ und 20000 Nagel.

Die Stiesel, welche für das französische Militär bestimmt ge-wesen waren, sahen sehr gut aus, waren aber für uns zu kleinund hatten, was das Schlimmste war, vielfach papperne Einlagen.

Saargemünd war wie Saarbrücken ein Feldlager, überfülltmit Verwundeten und Kranken, Kommandierten, Gefangenen und Ver-sprengten von allen möglichen deutschen Truppenteilen. Die Leuterannten einen auf der Straße fast um. Überall fehlte es an dernötigen Gliederung und Überwachung und dem gehörigen Wach-dienst. Auch nach außen war die Stadt nicht gesichert, obwohl dieFestung Bitsch, die in unserem Bereich lag, noch nicht von deut-schen Truppen cerniert wurde.

^ Der Kommandant unserer Stadt, ein ausgezeichneter alter säch-» sischer Militär und Generalstabsosfizier, Oberst v. Plötz, war mit