46
sehenen Unteroffizieren, welche an der TLtc des Bataillons mar-schierten, gegen eine von mir vorbereitete Quittung, in welchernur noch die Zahl der Brote mit Blei einzutragen war, auszu-händigen. Die gefüllten Säcke legten die Unteroffiziere alsdannauf den an der Queue des Bataillons fahrenden Patronenwagen.Meine Leute hatten unter solchen Umständen meist eine Frühstücks-portion, die sie mit Behagen auf dem Rendez-vous verzehrten undnannte deshalb der Chef des Stabes, der dies wahrnahm, unserBataillon das Speckbataillon.
Am 20. erreichte ich Cour tenay. Ich möchte hier eine Epi-sode einschicken, die das Elend eines vom Feinde beherrsch-ten Landes veranschaulicht. Ich war, ich weiß nicht mehr wo,mit meinem kleinen Stäbe in dem Hause eines Arztes einquartiert,in welchem, bei der Abwesenheit ihres Gatten, der in Paris mili-tärisch thätig war, seine noch junge Frau in würdiger Weise re-präsentierte. Sie ließ es sich auch nicht nehmen, mit uns in demSpeisesalon die Mahlzeiten einzunehmen.
Ich hatte außer dem Schlaf- und Wohnzimmer noch ein Zim-mer zum Bureau. Unerwartet kam eine neue Einquartierung und tratich an sie die beiden letzten Zimmer ab. Wir speisten nun in meinemübrigens sehr angenehm eingerichteten Schlafzimmer, mit uns dieedle Frau, welche uns hierhin gefolgt war. Herausgerufen kam siethränenden Auges mit der Klage zurück, man wolle ihr nun auchdie letzte Zuflucht, ihre und ihrer Kinder Schlafstube, nehmen.Natürlich ließ ich dies nicht geschehen.
Am anderen Morgen hatte die arme Frau noch den Kummer,die hohen Stiefel ihres Gatten zu vermissen. So bedeutungslosmir dieses Vorkommnis an sich war, so bemühte ich mich, unsererWirtin zu Gefallen, der Sache auf den Grund zu kommen; es ge-lang mir aber bei der Kürze der Zeit nicht, weil die Einquartie-rung verschiedenen Truppen angehörte.
Von Courtenay ging es nach Montargis, einer hübschen,gewerbereichen Stadt von 8000 Einwohnern mit einer schönen Ka-thedrale, hier sollte das Regiment Ruhetag haben. Mir war esnicht so beschicken. Ich bekam einen Auftrag und schrieb übermeine Erlebnisse ein paar Tage später nachhause:
„In Montargis kam ich mit meinem Bataillon in die Vorstadt