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Bei der Landwehr : vor Metz und die Schlacht von Beaune la Rolande / Von Gneomar Ernst v. Natzmer
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Die Bewohner hatten Haus und Hof in der Sorge verlassen,daß ihre Gegend, welche schon vom Kriege gelitten hatte, zum Schau-platz ernsterer Ereignisse werden möchte. Wir begegneten daher nurnoch wenigen, mit welchen wir uns überdies kaum zu verständigenvermochten, sei es, daß sie uns als Feinden keine Auskunft, welcheden Kriegszweck erleichtern konnte, erteilen wollten, sei es, daß sieeinen uns fremden Patois sprachen. Das war für unsere Orien-tierung beim Vormarsch empfindlich, zumal, wie sich später heraus-stellte, die kleinen Ortschaften, welche uns zugeteilt waren, bis aufOrme, seitwärts und versteckt von den beiden hier in Frage kom-menden, gleich anfangs weit auseinandergehenden Straßen Beaune-Nancray und Boiscommun lagen.

Ich selbst ritt einer Compagnie voraus und traf damals, wennich nicht irre, Patrouillen der hessischen Reiter, welche unserer Bri-gade zugeteilt waren, im Vorterrain. Sie wurden durch die Vor-posten, welche eine jede meiner Compagnie zu ihrem Schutze, untermöglichster Verbindung der Augen mit den Alarmposten der be-nachbarten aufstellte, abgelöst.

Eine Compagnie, welche unter den geschilderten Verhältnissenihren sehr versteckten Ort nicht gleich zu finden gewußt hatte, mußteich selbst heranholen. Glücklicherweise hatte sie, unnötige Wege zuvermeiden, inzwischen geruht und erreichte nun, nach meiner An-gabe, ihr Ziel um so schneller. Ich selbst nahm mein Quartierin Orme in einem verlassenen Chateau.

Die erwartete Verbindung mit dem auf unserem rechten Flügelbefindlichen 3. Corps erreichten wir an diesem Tage nicht.

Mit einem Flügel in der Luft, verbrachten wir unter solchen Um-ständen, die vier kleinen Compagniecn, voneinander getrennt, ohne einanderes Soutien als die wenigen Truppen in Beaune, welche uns dort-hin gefolgt waren, die Nacht, einem Angriffe des Feindes gegen-über, ein jeder auf sich selbst gestellt. Auf eine andere gegenseitigeUnterstützung als durch Feuer war bei den aufgeweichten Wegen^ und großen Entfernungen kaum zu rechnen *").

Es war gut, daß wir von der feindlichen Übermacht noch nichtviel wußten und von der Überzeugung der eigenen zielbewußtenFührung durchdrungen waren.

Am andern Tage wurde mir, auf meine Bitte, gestattet, Batilly,v. Natzmer, Bei der Landwehr, vor Metz ic. 4