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Bei der Landwehr : vor Metz und die Schlacht von Beaune la Rolande / Von Gneomar Ernst v. Natzmer
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und er Gefahr lief, gefangen zu werden, verbarg er sich in eine Wein-tonne und blieb von den Franzosen, welche das Haus betraten,unentdeckt. Arm in Arm mit dem verwundeten Kameraden ver-ließ er alsdann das Haus unter dem Schein der eigenen Verwun-dung und wurde von den Franzosen nicht belästigt. Dann nahmer den Kameraden auf den Arm und trug ihn, von allen, die essahen, mit Jubel empfangen, auf den Verbandplatz. Schmedeswurde Unteroffizier, erhielt das Kreuz zweiter Klasse und den russi-schen Georgsorden, eine im 10. Corps seltene Auszeichnung.

Der Kälte wegen in einen geschlossenen Wagen gepackt, erreichteich die Eisenbahn, welche mich meiner Familie in Hannover zu-führen sollte, in Lagnh, wo ich noch ein Abenteuer hatte. Ich solltehier die Nacht bleiben, die Kommandantur lehnte es aber ab, mirein Quartier zu geben, da der Ort überlegt sei. Ich fuhr nun aufeigene Hand vor verschiedene herrschaftliche Häuser und ließ mich er-kundigen, wer von Deutschen daselbst wohne. Nach einigen vergeb-lichen Versuchen kam ich vor ein Chateau, in welchem der Chefunserer Eisenbahnverwaltung eine anscheinend geräumige Wohnunghatte. Da er verreist war, konnte ich ihn nicht darum bitten, michaufzunehmen, ich entschied mich daher, mich auf eigene Verantwor-tung bei ihm einzuquartieren und war sehr gut gebettet. Leidermußte ich mich am Abend noch durch einen französischen Arzt, dereine sehr harte Hand hatte, verbinden lassen, so daß ich schonglaubte, daß er sein Mütchen an mir kühlen wolle.

Da ich den fahrplanmäßigen Kurierzug benutzte, konnte ich, beidem kurzen Aufenthalte auf den Stationen, nicht die geringste Er-frischung, deren ich bedurfte, erlangen, obwohl die Mitreisenden fürmich danach ausschauten. Wir wunderten uns darüber gegenüber densonstigen Vorkehrungen für Kranke und Verwundete, bis wir erfuhren,daß sie nur auf die dazu ausgeworfenen Züge berechnet waren.In Frankfurt verschafften mir die Turner Milch und trugen michaus einem Coup^e in das andere, was mir wohlthat. In Casselwurde ich wieder auf dem Bahnhöfe verbunden, was keine leichteArbeit war, weil dabei der ganze Kopf einzuwickeln war. Ich sahin dieser Verfassung toll aus und erkannte meine Frau mich nicht,als ich aus dem Coup^e stieg.

Der mich in meiner Familie behandelnde Arzt, Generalarztv. Natzmer, Bei der Landwehr, vor Metz ic. 7