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Aber es dauerte nicht lange, so kamen sie in vermehrten Scharen, offenbarmit der Absicht, einen Sturm zu machen, vor.
Wir waren daraus vorbereitet, trotz des fürchterlichen KnattcrnS der Fran-zosen blieben wir still, bis sie aus etwa 600 Schritt (sie!) heranwaren. Danneröffneten wir ein rasendes Schnellfeuer, etwa 20 Minuten lang. Dann wurdees drüben ruhig, es war dunkel geworden, und wir konnten nichts mehr er-kennen. Wir rüsteten uns für die Abwehr eines zweiten Angriffs. Zugleichflogen noch etwa 20 Granaten dicht über uns weg, die ganz nahe krepierten.Dann nur noch vereinzelte Schüsse.
Ein weiterer Angriff erfolgte nicht, die Compagnie blieb in dem Schul-hausc bei der Position. Ich war müde und schlief vortrefflich."
Abschrift eines Briefes des Fähnrich Meißner.
Kleines Dorf (Lcs Cötelles) in der Nähe von Beauue la Rolande.
30. November 1870.
Über die Schlacht von, 28. d. Mts. werdet ihr schon manches aus denZeitungen erfahren haben, wenn dieses Schreiben Euch erreicht, nichtsdesto-weniger will ich Euch meine Erlebnisse kurz mitteilen.
Am Morgen des 28. befanden wir uns in sehr angenehmer Ruhe in un-serem schönen Quartier iu Beauue, es wurde nach links hin ziemlich hestiggeschossen, das beunruhigte uns aber wenig, die Vorpostcnplänkelcicn sind wirzu sehr gewohnt. Allmählich wurde es jedoch draußen lebendiger, man glaubteiu der Ferne „das Ganze sammeln!" zu hören. Wir machten uns fertig.Um 9 Uhr erscholl das Signal auch bei unS, und fünf Minuten daraus standdie Compagnie in ihrer Position, die am Tage vorher durch Einbrechen vonSchießscharten in eine dicke Mauer, sowie durch Herstellung von Stellagen,hinter verschiedenen anderen Mauern sein eingerichtet war. Diese Stellagenbestanden aus Schultischen und Reisigbündeln.
Einstweilen vernahmen wir nur das Feuern weiter nach links hin. ESbewegten sich auch mehrere Bataillone unserseits dorthin, die Regimenter 78und 91. Die Stadt Beaune war nur noch von unserem Regiment und Ar-tillerie besetzt. Links neben unS stand eine leichte Batterie (s. Knauer). DasRegiment 57 hatte die Vorpostenstellung, die wir vorher drei Tage lang ge-habt. DaS Feucril links, auch von der Artillerie, wurde immer heftiger, wirglaubten aber noch nicht, daß wir selbstthätig werden würden. Etwa um11 Uhr begann Plötzlich eine feindliche Batterie gerade iu unsere Front indem übrigens sehr weit entfernten St. Loup zu feuern, die Granaten schlugenzunächst aus einen gerade vor uns befindlichen, mit zwei Windmühlen undeinigen dazu gehörigen Häusern besetzten Berg ein; bald kamen aber aucheinzelne nach der Stadt her; einstweilen noch ziemlich weit rechts von uns(d. h. von der 5. Compagnie). Nach dem Klänge des Schusses und derweiten Entfernung, aus die geschossen wurde, mußte es ziemlich schweres Ka-liber sein. Etwa um 11) Uhr kam der erste Brummer zu uns herüber undnun in kurzen Zwischenräumen imnier mehr. Gleichzeitig ging das Gewehr-feuer bei unseren Vorposten, vor, links und rechts von uns loS; in auf-