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Bei der Landwehr : vor Metz und die Schlacht von Beaune la Rolande / Von Gneomar Ernst v. Natzmer
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»ach dem OstauSgang von Beaune und Major v. Scherst an den Ausgangnach Orme. Kaum hatten sie sich getrennt, als dem Major v. Scherst 16erentgegenkamen, die er festhielt. Sie sagten, die Barrikade sei von den Fran-zosen genommen, sie hätten nicht eine Patrone mehr. Hauptmann Bclowbestätigte die Aussage seiner Leute. Major v. Scherst führte die Abteilungwieder an die Barrikade. Sie war zwar geräunit, aber nicht von Franzosenbesetzt: dies ist die Wahrheit von einer Episode, von der die Legende keinenAnstand genommen hat, ein packendes Heldenstück zu machen."

Ich frage zunächst welche, ich kenne keine solche Legende. Alsdann mußich, wie schon 1873, über meine Erlebnisse sagen:Ich kam an die Barri-kade, als der Kampf vorbei war. Darauf eilte ich wieder dem Kirchhof zu,traf dabei mit einer Compagnie 12. Regiments zusammen, die ich, meinesWissens, als die erste auf den Markt führte, bei welcher Gelegenheit ich michbei dem General v. Woyna meldete. Ich meldete kurz und bündig,daß eineRäumung der Barrikade oder eines andere» Punktes meiner Position keinenMoment stattgefunden habe." Der General muß sich wohl von der Richtigkeitmeiner Meldung und dem Ungrunde des von H. Hoenig berichteten Alarm-gerüchtS über das Eindringen der Franzosen überzeugt haben, denn er ist aufdiese Angelegenheit niemals auch nur andeutungsweise zurückgekommen.

Mit dieser Erzählung läßt sich die Darstellung in der Geschichte des 12. Re-giments insofern vereinigen, als der Hauptmann Polchan wohl mit zwei Com-pagnieen von Norden her in Beaune eingerückt ist, auf dem Markte die Ge-wehre zusammengesetzt hat, der General v. Woyna aus die Meldung, der Feindsei an der Ormer Barrikade vorgedrungen, dem Pr.-Lt. v. Freyhold befehligthat, mit seiner Compagnie den Feind mit dem Bajonett herauszuwerfen unddieser sofort an den betreffenden Teil der Lisiere gerückt sei,wo sich", heißt esin der Regimentsgeschichte,wirklich herausstellte, daß die Meldung auf einemIrrtum berührte". Ich sollte meinen, daß diese Aufklärung für jeden Freundder vaterländischen Geschichte genügte.

Wenn es trotzdem in dem Hoenigschen Werke von der Barrikade heißt:sie war zivar geräunit, aber nicht von den Franzosen besetzt", so hätte H. Hoenigdas auch während der Schlacht sehen können, daß man solche Barrikadenzwischendurch, in der, an anderer Stelle, von Ohly angedeuteten Weise, nurbeobachten läßt, deshalb sind sie aber doch nicht in militärischem Sinne geräumtgewesen und kann ich daher die dem General v. Woyna gemachte Meldungin allen Stücken aufrecht erhalten.

Alsdann heißt es bei Hoenig, daß der Hauptmann Ohly sich bei derAnkunft des Major v. Scherst in den Häusern links an Stelle eines Zuge«von 1/16 (Haack) befunden habe, der vermutlich wegen Munitionsmangelzurückgezogen worden war."

Die Ehre der Verteidigung dieser Häuser hat bis zuletzt Lieutenant Haackgehabt, was nicht ausschließt, daß der Hauptmann Ohly ihn hier nach ge-thaner Arbeit, ebenso einmal besucht hat, wie der Major v. Scherst dies viel-leicht aus dienstlichen Rücksichten gethan hat.