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Bei der Landwehr : vor Metz und die Schlacht von Beaune la Rolande / Von Gneomar Ernst v. Natzmer
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ES ist mir interessant gewesen, in den Auszeichnungen des H. Weltmanndie Notiz zu finden:Major v. Schcrff kam zu Fuß zu mir, es brannte beiuns überall »nd sagte: .Haltet, haltet. Hilfe ist nahe'."

Ich muß dabei im Interesse der übrigen Mitkämpfer auf die Verherr-lichung, welche H. Hoenig dem H. Ohly zuteil werden läßt, näher eingehen.Gleich anfangs heißt es in der Geschichte des Volkskrieges:

Mit der ihm eigenen Beherztheit eilte H. Ohly im Laufschritt au denAuSgaug nach Orme und traf noch frühzeitig genug ein, um jenen nur miteinem Zuge besetzten wichtigsten Ausgang ordnungsmäßig mit seinen Zügenzu verstärken."

Unwillkürlich fragt man, wie verträgt sich diese Auffassung mit der an-deren, daß der Kirchhof der wichtigste Ausgang seilt sollte, und dann: war auchder Ormer Ausgang bisher nicht ordnungsmäßig besetzt? In der That hates die 6. Compagnie mit ihren 3 Zügen hieran nicht fehlen lassen.

Dieser Offizier, heißt es alsdann von H. Ohly, führte auf diesem brennendenPunkt von nun an den Befehl, und seiner heldenhaften Ruhe, sowie der unbe-dingten Herrschaft über seine Westfalen, die ihm wie Automaten gehorchten, ist eshauptsächlich zuzuschreiben, daß der wiederholte Nahkampf mit Erfolg durchgeführtwurde." Das Kommando an dem Ormer Ausgang hat H. Ohly weder zu-geteilt erhalten noch sich angemaßt. Daß er diese Ehre auch nicht nachträglichfür sich in Anspruch genommen hat, zeigen mir seine Briefe, nach welchen erbei seinem Eintreffen die 6. Lompagnie, welche bis dahin beide Barrikadenhatte, an der Hauptbarrikade abgelöst hat. In der That haben Ohly undMitschkc und nach dessen Verwundung sein Nachfolger die Barrikaden undHaeften die Häuser ein jeder für sich besetzt und verteidigt. Und daß H. Ohlysich auch mir gegenüber nicht als Freiherr gefühlt hat, ergicbt sich aus demnachstehenden Schreiben vom 29. Januar 1873:Zunächst gebe ich unbedingtzu, daß Sie öfter am AuSgaug nach Orme gewesen sind. Daß Sie sich da-mals außerordentlich exponiert haben und Ihre Front mehrfach, sogar oft ab-geritten haben, ist eine allgemein bekannte Thatsache, und hatte meine bezüg-liche Bemerkung keineswegs die Absicht, dies etwa in Abrede stellen zu wollen,was ich ja auch um so weniger konnte, da ich nicht von Anfang an an derBarrikade des Ausgangs Orme war, sondern dort erst die 6. Lompagnie ab-löste.

Es ist ferner richtig, was Sie inbezug auf den Spielmann Holsträteranführen. Ich erinnere mich dessen ganz genau. Er kam zu mir und meldete:H. v. Natzmer ließe fragen, wie cS hier stünde."

Merkwürdig ist mir noch an der Hocnigschen Darstellung, daß Majorv. Scherst und Ohly die Pause zwischen beiden Vorstößen benutzt haben sollen,nach Orme vorzugehen. Sollte dies richtig sein, so verstehe ich H. Ohlynicht, daß er seinen Posten auch nur einen Augenblick verlassen konnte, undhätte es ihm schwer zu stehen kommen können. Mir hat H. Ohly nichtsdavon gesagt, wohl aber entsinne ich mich, ihn bei meiner demnächstigen Begegnnng aufgeregt gesunden zu haben. Wenn ich mich nicht irre, handelte eS

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