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Beiträge zur Geschichte der Einigungen der alten Eidgenossenschaft mit dem Auslande und des Verhaltens der Eidgenossenschaft bei dem endgültigen Uebergang der Franche-Comté an Frankreich : Inaugural-Dissertation zur Erlangung der Doktorwürde der philosophischen Fakultät der Universität Bern vorgelegt / von Hartmann Friedrich von Mülinen
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können diese beiden Parteien kurz bezeichnen als diefranzösische und als die schweizerisch -patriotische, soge-nannte deutsche Partei. Ein Nachtheil für die sogenanntedeutsche Partei war es von vornherein, dass sie keinenRückhalt und keine thatkräftige Unterstützung vom Aus-lande her fand; eine Stärke der französischen, dass dasFrankreich Ludwigs XIY. alle Mittel der Bestechungen,Gratifikationen und Yerheissungen in der Eidgenossen-schaft wirken Hess.

Die beiden hauptsächlichsten Vertreter der schwei­ zerisch -patriotischen Partei einerseits und der französi­ schen andererseits waren Bürgermeister Hans KudolfWettstein von Basel und Bürgermeister Waser von Zürich .Sie waren bestimmt, die Rollen Adrians von Bubenbergund Waldmanns in ihrem wesentlichsten Bestandtheilewieder aufzunehmen. Zwar hatte sich Wettstein amwestphälischen Frieden mit Frankreich vereint, um destosicherer unsere Unabhängigkeit vom Römischen Reichedeutscher Nation zu erlangen; allein, dass er den Eigen-nutz der Franzosen wohl durchschaut hatte und schonvon Anbeginn bereit war, seine Klinge auch mit ihnenzu kreuzen, das beweist sein im Jahre 1654 geschriebenesBedenken, ob eine Eidgenossenschaft die zu Ende ge-laufenen Bünde mit der Krone Frankreich erneuern soll ;umgekehrt spielte Bürgermeister Waser nur den auf-richtigen Patrioten. War Adrian von Bubenberg eineritterliche Erscheinung gewesen, so war Wettstein ernstund schlicht; und war Waldmann wirklich, wie Buben-berg, tapfer und geistig bedeutend, so war Waser imGrunde nur bombastisch und hohl.

Die ganze politische Anschauung Wettsteins sprichtdeutlich aus seinen eigenen Worten:Nach gewissen-hafter Prüfung, im alleinigen Hinblicke auf das gemeineYaterland, ohne Rücksicht auf irgend einen Menschen,erklärt er die Frage der Bundeserneuerung mit der