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Chronik des von dem Herrn Professor Schellbach geleiteten mathematisch-pädagogischen Seminars : 1855-1880. Zur Jubelfeier seines fünfundzwanzigjährigen Bestehens / entworfen von Felix Müller
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Gelegenheit haben, sich das Beispiel und den Rath der alterenund erfahreneren Lehrer zu Nutze zu machen, hat auf den Ge-danken geführt, zunächst versuchsweise eine Einrichtung zu treffen,bei welcher die der erwähnten Circular-Verfügung zum Grundeliegende Intention sich sicherer verwirklichen zu lassen scheint.Der Plan ist, unter Betheiligung und Controle der Provinzial-Schul-Collegien, einzelnen durch ihre didactische und pädagogischeWirksamkeit besonders bewährten Directoren oder Lehrern anGymnasien und Realschulen Schulamts-Candidaten, deren Zahl injedem einzelnen Falle 3 nicht übersteigen dürfte und die bei derPrüfung pro facultate docendi eine genügende Befähigung gezeigthaben, in der Art zuzuweisen, dafs sie zuerst mehrere Wochendem Unterrichte des betreffenden Lehrers hospitirend beiwohnen,um dadurch die Anschauung einer zweckmäfsigen Methode undgeordneter Disciplin zu gewinnen. Später würden sie selber imBeisein des Lehrers Versuche im Unterrichten in verschiedenenClassen zu machen haben, aufser der Classenzeit aber hätte derLehrer resp. Director mehrmals in der Woche Gelegenheit zunehmen, durch freie oder an die Lehrstunden ankniipfendc Be-sprechungen über methodische und andere praktische Gegenständedie Candidaten zu üben und anzuleiten».

Ostern 1855 wurde am Kgl. Friedrich-Wilhelms-Gymnasium ein solches «Institut zur Ausbildung der Lehrer der Mathematikund Physik für Gymnasien und Realschulen» zur Ausführunggebracht, es wurde das «mathematisch-pädagogische Seminar»unter der Leitung des Professor Schellbach geschaffen.

Durch Verfügung des Königl. Schul-Collegiums der Provinz Brandenburg vom 19. April 1855 wurde der Schulamts-CandidatDr. Alfred Clebsch dem Herrn Professor Schellbach zur Aus-bildung überwiesen. Schon am 30. desselben Monats konnteDirector Ranke, erfreut über den glücklichen Fortgang des jungenInstitutes, an das Königl. Schul-Collegium berichten: «ProfessorSchellbach ist bei seinem neuen Berufe in voller Thätigkeit: DerCandidat Clebsch begleitet ihn in sämmtlichen 18 Lehrstundenund fühlt sich dadurch sehr gefördert; zugleich finden beständigelängere oder kürzere Unterredungen über wichtige wissenschaft-liche und pädagogische Fragen statt. Zu beklagen ist nur, dafsnicht mehr Candidaten vorhanden sind, wodurch Alles an Lebendig-keit gewinnen müfste.» Der hier ausgesprochene WunschRankes sollte bald in Erfüllung gehen: im Mai desselben Jahrestrat Dr. Otto Simon als zweiter Candidat in das mathematischeSeminar ein.

Die Ausbildung und die Beschäftigung der Candidaten ge-schah nach den Principien, welche in dem oben angeführtenMinisterial-Rescripte vorgezeichnet waren. Director Ranke botden Mitgliedern des Seminars wiederholt Gelegenheit, auch in den