Buch 
Das Erdbeben von Laibach am 14. April 1895 / Von Dr. Franz E. Suess
Entstehung
Seite
436
JPEG-Download
 

436'

■Dr. Franz E. Süess.

[26]

Dörfer der'Umgebung; die Erschütterung war aber hier gewiss nichtstärker. Etwa zwei Drittel sämmtlicher Rauchfänge sind abgestürztund von den Gebäuden hat wohl mehr als die Hälfte nennenswertheBeschädigung erfahren; besonders ist das bei den mehrstöckigenHäusern der Fall gewesen. Nur ein einziges Haus muss abgetragenwerden. Meistens haben sich die Längsmauern, welche an den Seitennicht durch änstossende Gebäude gestützt sind, losgelöst und heraus-geneigt ; am Hauptplatze konnte man das an allen Häusern be-obachten. Viele Wölbungen sind geborsten; im Gerichtsgebäude sindalle Bogengänge der Länge nach gesprungen. Die Pfarrkirche hatwenig gelitten; in der Jakobskirche sind jedoch wieder die gewöhn-lichen Gewölbesprünge aufgetreten; ebenso in der Nonnenkirche.

Im Allgemeinen wurde der Stadttheil am linken Ufer des Flüss-chens Zeier weniger beschädigt, als der am rechten Ufer; dieser stehtauf Schotterboden und jener ist auf Fels gebaut.

Die Kirche in der Vorstadt Altlack hat sehr grosse Sprüngein der Rundkuppel erhalten; die Sprünge convergiren von den vierEcken nahezu symmetrisch gegen die Mitte der Kuppel; der Thurmblieb unbeschädigt. In den kleinen Dörfern unmittelbar nördlich vonBischoflack war auch kein besonderer Schaden zu verzeichnen.

Eine noch weit auffallendere und plötzlichere Abnahme derIntensität der Zerstörung konnte man wahrnehmen, wenn man sichvon Flödnig oderWoditz gegen Krainburg begab; in demkleinen Dorfe T erb oje sind 12 Kamine' abgestürzt und drei kleineStallungen eingefallen; die Kirche und der Pfarrhof sind durchSprünge stark beschädigt, im Pfarrhofe sind fast alle Wände los-gerüttelt und durch starke Spalten von einander getrennt. Die Wohn-gebäude in P r e p r a t s c h o v haben bereits nur sehr wenig Schadengenommen. Die Kirche hat allerdings sowohl im Innern als aucham Thurme ziemlich starke Sprünge erhalten. — Verhängnissvollerwaren die Wirkungen noch in Winklern und in Hülben , hierwar es wieder die Pfarrkirche, welche am ärgsten mitgenommenworden war.

Noch stärker war es in St. Georgen, welche Ortschaft mehrin der Mitte der Ebene liegt. Hier musste die Kirche behördlichgesperrt werden; das Gewölbe der Kirche war durch Sprünge nachallen Richtungen derart schadhaft geworden, dass es durch ein neueswird ersetzt werden müssen; der Thurm hat weniger gelitten. VomPfarrhofe, von der Kaplanei und vom Schulhause fielen die Schorn-steine herunter; in einem Stalle war das Gewölbe durchgehrochen.In Zirklach stürzten viele Schornsteine ab und grössere Häuserwurden beschädigt.

In unmittelbarer Nähe der zuletzt genannten Ortschaften liegtdas Städtchen Krainburg ; es ist auf einer zu Conglomerat ver-härteten Lage von Diluvialschotter erbaut; wie man auf dem Wege vonder Bahnstation in die Stadt sehen kann, ist diese Lage aber dort, wo dieHäuser stehen, nur wenig mächtig und es steht darunter paläozoischerSchiefer an, der steil zur Tiefe des Saveflusses abfällt. Man kanndemnach annehmen, dass Krainburg bereits ausserhalb der LaibacherEbene liegt. Es ist sehr bemerkenswert!!, wie ausserordentlich geringe