126
Synthese der Mineralien.
wozu allerdings zu bemerken ist, dass von manchen bei diesem Processeeine chemische Umsetzung angenommen wird, dass nämlich eine Verbin-dung sich bildet, welche im weiteren Laufe wiederum zersetzt wird, sodass das Endresultat keinerlei chemische Veränderung wahrnehmen lässt.
y. Bildung von krystallisirtenVerbindungen durch Schmel-zen unter Zusatz eines activen Schmelzmittels. — Zum Unter-schiede von der unter 2. ß. betrachteten Methode, bei welcher es daraufabgesehen war, nur eine Umkrystallisiruug durch den Schmelzprocess zuerhalten, wollen wir hier durch Zusatz eines Schmelzmittels eine chemischeReaction einleiten.
In den meisten Fällen soll das Schmelzmittel eines der Metalle liefern;so z. B. wenn wir Kieselsäure mit Chlorcalcium resp. Chlormagnesium,Manganchlorür zusammenschmelzen, so werden wir die entsprechendenKalk-, Magnesia-, Mangansilikate erhalten. So bilden sich Rhodonit undTephroit (Gorgeu):
2 Mn CI, + 20 + St 0 2 = Mn 2 Si0 4 + 4 CI.
Auch Granat wurde auf diese Weise von Gorgeu 1 ) erzeugt, indemer kieselsaure Thonerde in Manganchlorür schmolz. Bei allen derartigenlleactionen muss das Schmelzmittel in grossem Ueberschusse gebrauchtwerden, im Gegensätze zu der früher erwähnten Methode, bei welcherder Schmelzzusatz keine chemische Einwirkung haben soll. Von Minera-lien, welche derart darzustellen sind, seien noch erwähnt: Augit, Wol-lastonit, durch Zusammenschmelzen von Siü 2 mit CaF 2 und CaCl 2 2 ), Ska-polith, Meionit, Nephelin 3 ), wobei das Metall Mg, Ca, Fe, Na, K durchdie betreffenden Chlorverbindungen geliefert wird. Die Zahl der auf dieseWeise ausführbaren Synthesen ist recht gross und namentlich bei denSilikaten erhält man günstige Resultate. Auch bei der Bildung der Glim-mer durch Zusammenschmelzen der Kieselsäure, Thonerde mit den Fluo-riden des Natriums, Kaliums, Magnesiums wird die Basis von den ent-sprechenden Fluormetallen geliefert; ausserdem wird noch etwas Fluordirect aufgenommen.
Andere Beispiele beziehen sich auf eine noch intensivere Reaction.Bei den betrachteten Synthesen verband sich die Kieselsäure mit denOxyden der Metalle, welche man als Chlor-Fluorverbindungen - zugesetzthatte; man kann aber auch unter Salzen eine Reaction einleiten, wobeiein Austausch von Basen erfolgt.
So hat Man ross durch Zusammenschmelzen von Chlorbaryum mitschwefelsaurem Kali Baryt erhalten:
BaCl 2 + Ä 2 S0 4 = BaSOi + 2 KCl.
Molybdänsaures Natron und Chlorblei ergeben Wulfenit und Chlornatrium:
Na 2 Mo 0 4 + Pb Cl 2 = Pb Mo 0 4 + 2 Na CI.
1) Gorgeu, Compt. rend. 1884. Bd. 101.
2) C. Doelter, N. J. f. Min. 1887. Bd. 1.
3) Unveröffenll. Beobacht.