14. Betrachtung über BvnaparteS Umkehren gegen Colli.
Wir haben uns (unter 5.) hinreichend über die Richtungausgesprochen, welche der französische Feldherr iin Fall einesentschiedenen Sieges nehmen mußte. Dieser Sieg war erfolgtund würde den französischen Feldherrn unmittelbar an den Pogeführt haben, wenn er es gewollt hätte. Wir haben geglaubt,daß diese Barriere der natürlichste Wendepunkt für die Richtungder französischen Hauptmacht gewesen wäre. Der französischeFeldherr hat es anders angesehen. Er kehrt schon früher um,gestattet Beanlieu seine gesprengten Kräfte bei Acgui zu sam-meln, und wendet sich von Dego aus gegen Colli bei Ceva.
Die Frage, ob Bonaparte hier einen Fehler gemacht habeoder nicht, ist uns wichtig, nicht sowohl wegen des vorliegendenFalls, denn der Erfolg würde wahrscheinlich nicht merklich ver-schieden gewesen sein, sondern wegen der theoretischen Wichtig-keit dieser so oft wiederkehrenden und in den meisten Fällen vielentscheidenden Frage.
KriegSunternchmnngen, die durch eine Reihe von Fehlern hervorgebracht sind,niemals in ihrem innern Zusammenhang so beschaffen sind, wie das Publikumglaubt. Die Leute, welche handeln, wenn sie auch zu den schlechtesten Feld-herren gehören, sind doch nicht ohne gesunden Menschenverstand und würdennimmermehr solche Absurditäten begehen, wie das Publikum und die historischenKritiker ihnen in Pansch und Bogen anrechnen. Die meisten dieser letzter»würden erstaunen, wenn sie alle die näheren Motive deS Handeln« kenne»lernten, und höchst wahrscheinlich dadurch eben so gut verleitet worden sein, wieder Feldherr, der jetzt wie ein halber Jmbecillc vor ihnen steht. Fehler müssenallerdings vorhanden sein, aber sie liegen nur gewöhnlich tiefer, in Fehlern derAnsicht und Schwächen des Charakters, die nicht auf den ersten Blick als solcheerscheinen, sondern die man erst auffindet und deutlich erkennt, wenn man alle(Gründe, welche den Besiegten zu seinem Handeln bestimmten, mit dem Erfolgvergleicht. Diese« Finden deS Wahren hinterher ist der Kritik gestattet, kannihr nicht höhnend vorgeworfen werden, sonder» ist ihr eigentliches Geschäft,ist aber allerdings viel leichter, als das Treffen des Rechten im Augenblick deSHandelns.
ES ist darum in der That eine Thorheit, wenn wir fast sämmtliche Ar-meen den Grundsatz befolgen sehen, über die unglücklichen KriegSereignisse s»wenig als möglich bekannt zu machen; die Sachen werden sich, wenn sie genaubekannt sind, immer viel besser als in Pansch und Bogen ausnehmen.
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