Buch 
4/3 (1889) Der Feldzug von 1796 in Italien : Hinterlassenes Werk / von Carl von Clausewitz
Entstehung
Seite
70
JPEG-Download
 

70

Piacenza ziehen wollen, hinter ihm hergegangen sein, wie er dasim Thale der Brenta that. Bonaparte sagt. er würde unterdiesen Umständen nicht gewagt haben, unterhalb Stradella überden Fluß zu gehen, weil er sich vor einem Rücken-Anfall gefürchtethaben würde. Uns dünkt aber, Bonaparte habe in seinem Lebenwohl ganz andere Sachen gewagt. Beaulieu, der seinem Gegnerim freien Felde nicht mehr unter die Augen kommen durfte, hattemit Recht Bedenken tragen müssen, sich in eine solche indirekte,künstliche Povertheidigung einzulassen, wo er von ihm gefaßtund um seinen ganzen Rückzug gebracht werden konnte. Außerdemwar ja wenig dadurch gewonnen, wenn Bonaparte vielleicht ver-hindert wurde, unterhalb Stradella überzugehen, da nun derUebergang oberhalb Pavia um so leichter wurde, und Beaulieuin dem Augenblick, wo er eine solche Einrichtung treffen wollte,die nicht von einer Stunde zur andern fertig ist, unmöglich wissenkonnte, nach welcher Gegend der französische Feldherr sein Augen-merk richtete.

Die sogenannte Schlacht bei Lodi und die Maßregeln Beau-lieus jenseits der Adda scheinen uns kein Gegenstand des Vor-wurfs für ihn zu sein. Die Schande bei Lodi haben allein dieTruppen, vielleicht auch die speciellen Anordnungen des GeneralSebottendorff verschuldet. Wenn der General Jomini die Auf-stellung des Bataillons und der zwei Schwadronen auf demlinken Ufer zu solchen fehlerhaften Anordnungen rechnet, socheint uns das ein sonderbares Verwechseln zwei ganz ver-schiedener Fälle zu sein. Wenn ein General zur absoluten Ver-theidigung eines Punktes an einem Fluß die Stellung auf derfeindlichen Seite wählt, so ist das allerdings nur unter demeinzigen Gesichtspunkt zu rechtfertigen, daß er seiner Armee einenBrückenkopf bilden will, aus dem sie später vorgehen kann.Aber selbst in diesem Fall ist es eine gefährliche Maßregel, undgewiß besser, wenn die Zeit es irgend erlaubt, ein paar tüchtigeRedouten anzulegen, die nur ein paar Bataillone Besatzung kostenund dasselbe leisten. Dagegen ist in jedem andern Fall eineAufstellung auf der feindlichen Seite eine so unvernünftige Maß-regel, daß man glauben sollte, es könnte niemand auf einen