Buch 
4/3 (1889) Der Feldzug von 1796 in Italien : Hinterlassenes Werk / von Carl von Clausewitz
Entstehung
Seite
129
JPEG-Download
 

129

keit wahrscheinlich schon deswillen vor, weil er dabei mehr seineigener Herr blieb.

Das Direktorium lehnte diesen Plan, obgleich mit großerBehutsamkeit, doch zu wiederholten Malen ab.

Einstweilen aber geschah bis Anfangs September gar nichts.Bonaparte, dem etwa 20,000 Mann Verstärkungen von derKüsten- und von der Alpenarmee zugesagt waren, wollte dieseabwarten. Er berichtet dabei, daß er 15,000 Mann Kranke beiseiner Armee an der Etsch habe. Fügt man zu diesen Um-ständen noch den hinzu, daß, wie aus einzelnen Briesen derDivisionsgeneräle hervorgeht, die französischen Truppen an Aus-rüstungsgegenständen aller Art, besonders aber an Kleidungs-stücken, den allerempfindlichsten Mangel litten, so begreift mansehr gut, daß die französische Armee nicht sogleich zu weiterenUnternehmungen vorschritt. Von der andern Seite ist nicht zuläugnen, daß die drei Wochen, welche verloren gingen, die fran-zösische Armee um den wirklich günstigen Augenblick brachten,und daß vielleicht 25,000 Mann, die Wurmser auf dem Fußgefolgt wären, sich in den Besitz von ganz Tirol hätten setzenund den Schrecken nach Deutschland tragen können. Wir sagen:vielleicht, denn ausgemacht war dieser Erfolg allerdings keines-wegs, vielmehr setzt es schon eine große Demoralisation derStreitkraft voraus, wenn ein Land wie Tirol, welches 7—8000Mann eigener Bewaffnung aufstellte, mit 40,000 Mann gegen25,000 Mann nicht gehalten werden sollte. Aber in jedem Fallwäre durch diesen Versuch die dortige östreichische Macht be-schäftigt worden und also verhindert, dem Erzherzoge beizu-stehen.

Während der drei Wochen nun vom 7. August bis in denersten Tagen des September stand Bonaparte mit dem Centrumd. h. mit dem rechten Flügel unter Augereau bei Verona, mitdem linken, der Division Säuret, die jetzt der General Vauboisführte, auf der westlichen Seite des Gardasees. Die DivisionSerrurier, jetzt vom General Sahuguet geführt, schloß Mantuaein, und Kilmaine bildete die Reserve zwischen dem Mincio undder Etsch.

IV.

9