248
werden müssen, um die Armee wieder auf die Stärke zu bringen,die sie beim ersten hatte. Es ist nun sehr natürlich zu fragen:was würde der Erfolg gewesen sein, wenn die Oestreicher mitihrem ersten Entfatzversuch so lange hätten warten können, umdiese 36,000 Mann, welche zu beschaffen, wie der Erfolg lehrt,möglich war, gleich mitzustellen, und also ihren ersten Angriffnrit etwa 80,000 Mann zu machen? Es ist nicht zweifelhaft,daß diese Uebermacht hingereicht haben würde, die Lombardeiwieder zu erobern.
Nun war freilich der erste Versuch höchst dringend, weilMantua damals belagert wurde und mit jedem Tage fallenkonnte; es war also schon ganz recht, daß sie diesen erstenVersuch mit dem machten, was in dem Augenblick vorhandenwar; aber der zweite und dritte Versuch waren nicht mehr sodringend und konnten füglich aufgeschoben werden, wenn mandadurch den Vortheil erhielt, um einige 20,000 Mann stärkererscheinen zu können. Man wird allenfalls sagen können, daßman im September (der Zeit des zweiten Versuchs) nicht hättebestimmt wissen können, daß Mantua sich bis im Januar (Zeitdes vierten Versuchs) halten könne; aber theils ist doch die Be-fürchtung, daß es früher fallen könne, ganz unmotivirt, theils istes ja nicht zweifelhaft, daß man diejenigen Verstärkungen, zudenen man nach dem dritten Versuch, also Mitte November,Anstalt machte, drei Monate früher hätte haben können, wennman drei Monate früher den Entschluß gefaßt hätte. Mit einemWort: War die östreichische Monarchie im Stande, von MitteAugust, dem Zeitpunkt, wo der erste Versuch beendet war, derungefähr 10,000 Mann gekostet hatte, bis Mitte Januar26,000 Mann Verstärkungen zur italiänischen Armee zu schicken,so war sie auch im Stande, dies bis Mitte Oktober zu thun,wenn die Regierung nur bei Zeiten von der Nothwendigkeit sogroßer Anstrengungen durchdrungen gewesen wäre.
Der Fehler, in welchen die östreichische Regierung hier ver-fallen ist, verstößt gegen einen der Hauptgrundsätze der Strategie:nämlich alle vorhandenen Kräfte gleichzeitig anzu-wenden. Das successive Heranziehen der Kräfte zu nachhalti-