48
Der Weltumsegler, Admiral v, Kruscnstern.
Der Fürst Menschikow, Chef des Generalstabs der Flotte, immerbeflissen den Ton anzunehmen und anzugeben der eben an der Tages-ordnung war, bemühte sich auch noch aus anderen Gründen rein per-sönlicher Natur, die jungen Leute die aus der Offiziersclasse hervor-gingen, womöglich unbrauchbar zu finden. Er suchte sie, wo es sichthun ließ, aus dem Seedienst hinaus zu drängen und durch Miß-gunst zum Uebergang in eine andere Laufbahn zu zwingen. Moch-ten sie Lehrer an Gymnasien werden, oder dergleichen; dazu konntensie allenfalls tauglich sein; zu dem „praktischen" Seedienst aber, wieMenschikow vorgab zu glauben, entschieden nicht.
Krusensteru ging, unbeirrt durch alle Schwierigkeiten die ihm inden Weg gelegt wurden, still und ruhig seinen folgerichtigen Weg,und sorgte für das Wohl seiner sonstigen Untergebenen, wie für dieBildung seiner Zöglinge. Zu dem Personal des Seecadetten-Corpsgehören nämlich außer den Offizieren, Professoren und Kadetten, auchmehrere hundert Matrosen — der Mehrzahl nach verheirathete, diebis zur Zeit mit ihren zahlreichen Familien, mit Frauen und Kin-dern, im Kellergeschoß des Hauptgebäudes, nicht eben bequem unter-gebracht waren. In einer weisen Sparsamkeit fand Krusensteru dieMittel, mehrere ansehnliche Häuser in der Nähe des Seecadetten-Corps für dieses anzukaufen, umzubauen und zu geräumigen undgesunden Wohnungen einzurichten, in denen besonders mit mehr alsgewöhnlicher Sorgfalt für Trockenheit der Räume, eine gleichmäßigeTemperatur und genügende Ventilation gesorgt war. Hierher wur-den die meisten der verheiratheten Matrosen versetzt. — Ebenso hattees bis zur Zeit im Kadettencorps wohl ein Lazareth für die erkran-kenden Zöglinge gegeben, an einer ähnlichen Anstalt für das dienendePersonal aber gefehlt. Die Kranken mußten in die großen Militair-hospitäler der Stadt abgegeben werden. Die Folge war, daß dieMatrosen sehr häufig selbst gefährliche Uebel zu verheimlichen bemühtwaren, um sich nicht von Frau und Kindern getrennt zu sehen undauch wohl, weil sie jene ihnen fremden Anstalten, in denen sie unterder Obhut und den Befehlen ihnen unbekannter Autoritäten stehensollten, mit einem eigenthümlichen und sehr entschiedenen Mißtrauenbetrachteten. Sie konnten in Folge dessen in manchem bedenklichenFall, erst dann in das Hospital gesendet werden, wenn ihr Zustandbereits ein hoffnungsloser geworden war und natürlich kehrten ver-