Kriegsscenen aus den Zeiten der Kaiserin Katherina II. 111
„In Constantmopel eingetroffen (März 1773), sah ich gleichzuerst in den Straßen türkische Werbungen. Da trägt ein türkischerUnteroffizier oder Subalternoffizier, begleitet von einem Tambourund einem Pfeifer, eine Fahne durch die Straßen. Wer sich unterdie Fahne stellt, ist angeworben und Soldat."
„Wie ich bei Frau v. Zegelia eintrat, nahm sie mich bei derHand, führte mich an ein Fenster, das die Aussicht auf Constantmopelmit allen seinen Minarets hatte, und sagte zu mir: „„Sehen Sie,was hier während Ihrer Abwesenheit Alles vorgegangen ist!"" —Jede Stunde erschien auf jedem der Minarets ein türkischer Beamter,stieß in eine Trompete und rief dann mit lauter Stimme in dieStraßen hinunter, daß der Krieg wieder ausgebrochen sei"
„Frau v. Zegelin sagte mir auch gleich, ich würde wohl einigeZeit in Constantmopel verweilen müssen. Es vergingen acht Tage,die ich natürlich ganz zurückgezogen im Hause zubrachte, und ichkonnte wohl gewahr werden, daß während dieser Zeit etwas Beson-deres vorging. Es kamen vornehme Türken mit ihren Dolmetschernin das Haus und Frau v. Zegelin unterhandelte lange mit ihnen;auch war sie zerstreut und schien öfter auf dem Punkte mir etwaszu sagen und hielt dann doch wieder an sich. Endlich, nach ungefähracht Tagen, sagte sie mir: „„Sie können jetzt reisen!"" — und dann,nach einiger Ueberlegung, fügte sie hinzu: „„Ich muß Ihnen sagen,wenn ich nicht gewesen wäre, säßen Sie längst in den sieben Thür-men."" — Ich antwortete, ich habe wohl bemerkt, daß etwas imWerke sei und daß sie viel zu unterhandeln habe, und bat sie, mirzu sagen, was denn eigentlich vorgegangen sei. Da erzählte sie mirdann, der Kaimakam habe mich wollen verhaften und in die siebenThürme setzen lassen; sie aber habe das entschieden nicht zugelassen,weil ich hier unter preußischem Schutze stehe. Endlich habe sich derKaimakam entschlossen, einen Courier an den Großvezir abzufertigenund anzufragen, wie man mit mir zu verfahren habe. Der VezirMuhsinsade war ein fehr billig denkender Mann; er antwortete: derWaffenstillstand fei zwar gebrochen, ich aber sei während desselbennach Constantmopel abgefertigt worden, und habe nicht rechtzeitigbenachrichtigt werden können, daß die Feindseligkeiten wieder beginnenwürden; ich hätte also bis zu meiner Rückkehr in das russische Lager