Band 
Erster Band.
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Kriegsscenen aus den Zeiten der Kaiserin Katherina H. 125

die herannahende böse Jahreszeit ihn doch binnen Kurzem nöthigenwerde, sie zu verlassen; daß es ihm sogar nichts helsen könne, wennes ihm auch gelingen sollte, unseren Angriff siegreich zurückzuschlagen,da die späte Jahreszeit ihm doch nicht gestatten würde, weitere Ope-rationen zu Ende zu sichren — und fordern Sie ihn auf, in Er-wägung aller dieser Umstände, seinen Rückzug über die Grenze sofortanzutreten, und dadurch sowohl der schwedischen Armee als der Un-seligen ein für beide Theile in gleichem Grade unnützes Blutvergießenzu ersparen."

Mussin-Puschkin sah seinen General-Quartiermeister groß an undfragte: „Willst Du mich zum Narren machen?" — (xa->«E,,vi>»i>on. c^K-Ek.?) — „Nein! keineswegs! ich hoffe vielmehr denbesten Erfolg von einem solchen Versuche." -- Knorring verließ dencommandirenden General, um den Brigadier v. Nummers auszusuchen,einen Tiefländer, den er dafür kannte, daß er solche diplomatischeSendschreiben mit Gewandtheit und Takt abzufassen wußte. Diesemtrug er auf, den Brief zu entwerfen, dessen Inhalt er ihm angab.Der Brief wurde geschrieben, auf Knorriug's Betreiben von demCommandirenden unterzeichnet, und durch einen Trompeter in dasschwedische Hauptquartier abgefertigt. Das geschah gegen Abend, denTag vor dem zum Angriffe bestimmten.

Von den Wenigen, die darum wußten, erwartete eigentlich Nie-mand etwas von diesem Schritte; Mussin-Puschkin in seiner gedrück-ten Stimmung am wenigsten. — Doch als kaum der folgende Mor-gen graute, traf ein schwedischer Trompeter mit der Antwort im russi-schen Lager ein. Meyerfeldt sagte darin, daß er, in Erwägung derGründe, die der russische Feldherr ihm vorgelegt habe, seinen Rück-zug über die Grenze sofort, noch in der Nacht, antrete; er erwartenun — gleichsam als Gegengefälligkeit — aus diesem Rückzüge wederverfolgt noch sonst belästigt zu werden.

Das wurde ohne die mindeste Schwierigkeit sehr gern gewährt,und so war die Aufgabe des Augenblickes in einer Gemüthlichkeit ge-löst, wie sie im Kriege wohl nur selten vorgekommen sein möchte.Im russischen Hauptquartiere und Lager herrschte die heiterste Stim-mung; allen höheren Offizieren der Armee war ein schwerer Steinvom Herzen gefallen; Alles eilte, die verlassene schwedische Stellungzu besichtigen. Erst in den folgenden Tagen folgte man der schwe-