Band 
Erster Band.
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Das Ende des Kaisers Paul.

Selbst seiner Kinder hatte ihn seine Mutter beraubt; sie nahmdie Großfürsten unter ihre Obhut und leitete deren Erziehung — wieman gestehen muß, in einer Weise, die manches Bedenken erregenkonnte. Zwar erhielt der junge Großfürst Alexander in dem libera-lisirenden wadtländer Schöngeist Laharpe einen nach französischemZuschnitt untadelhast gebildeten Erzieher, und es fehlte auch, um dasHerz der jungen Prinzen frühzeitig zu bilden, weder an weichlich sen-timentalen Schristchen, deren einige Katherina II. sogar selbst ver-faßte, noch an rührenden kleinen Dramen und Operetten, die vonPagen und Cadetten gespielt wurden — von Ernst und Strenge, vonwirklichem Lernen war nicht die Rede. Vor Allem aber glaubte diebejahrte Kaiserin im Alter noch weniger als in ihrer Jugend an einegewisse Reinheit des Sinnes und der Phantasie, und achtete deshalbauch Reinheit der Sitten über das Knabenalter hinaus unmöglich.Im Sinn solcher Ansichten hielt sie es, wie Zeitgenossen berichten,für weise und wohlgethan, ihre Enkel, so wie sie den Knabenjahrenentwachsen waren — ehe man sie noch mit bestimmter ZuversichtJünglinge nennen durfte — in Liebeshändel zu verwickeln, die sieselbst herbeiführte und leitete, indem sie Damen ihres Hofes, die ihrzu einer solchen Rolle passend schienen, veranlaßte den jungen Prinzengefällig entgegen zu kommen. Die Natur mußte Wunder gethan haben,wenn aus dieser Erziehung mannhafte Charaktere hervorgehen sollten.

Der Großfürst Paul sehnte sich in seiner Zurückgezogenheit zuGatschina nach Theilnahme und Freundschaft, und suchte sie sogarmit krankhafter Leidenschaftlichkeit. Aber theils sah er sich von denLeuten, denen er mit der ganzen Heftigkeit seiner augenblicklichen Em-pfindung entgegen kam, betrogen — theils mit einer gezwungenen,vorsichtigen Zurückhaltung aufgenommen. Dies ablehnende Benehmenderer, die er sich zu Freunden wählte, ließ sich — selbst abgesehendavon, daß Paul wenig geschaffen war, Vertrauen einzuflößen - -ganz gut rechtfertigen, und hatte zum Theil sehr ehrenhafte Gründe.Denn wer sich der Freundschaft des Großfürsten hingab, lief Gefahr,selbst der regierenden Kaiserin verdächtig zu werden, — wenn er sichnicht etwa bereit finden ließ, eine zweideutige Rolle zu spielen, undmitzutheilen, was ihm anvertraut wurde. — Es gehörte Charakterund Gewandtheit dazu, sich in einem so schwierigen Verhältniß mitAnstand zu behaupten.