Das Ende des Kaisers Paul.
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So machte der Großfürst selbst mit den redlichsten und bestenunter denen, die er gern zu Freunden gehabt hätte, schmerzliche Er-fahrungen, die ihn immer von Neuem aus das Bewußtsein einerhöchst unglücklichen Lage zurückführten.
Welcher Art diese Erlebnisse waren, die ihn selbst da, wo er esnicht mit dienstfertiger Untreue zu thun hatte, an den Haß und Arg-wohn seiner Mutter, wie an die eigenen Ketten erinnerten, davon ließesich gar manches erzählen. Doch reicht ein Beispiel hin um eineganze Reihe von Begebenheiten zu kennzeichnen, und so genügt eswohl hier an das zu erinnern, was wir bereits an anderer Stelle— in den Kriegsscenen aus der Zeit der Kaiserin Katherina — be-richtet haben.
Unter die erwählten Freunde des Großfürsten Paul waren na-mentlich zwei Brüder Knorring zu zählen; esthländische Edelleute,ehrenwerthe Männer, beide Generale. Den jüngeren, Karl, liebte derGroßfürst ganz besonders, so daß er ihn, wenn er von ihm sprach,um ihn von Anderen desselben Namens zu unterscheiden, stets „meinKnorring" nannte - und da er den nicht eigentlich hervorragendenMann gar sehr überschätzte, wollte er ihm später, als er Kaiser war,den Feldherrnstab in einem ungeheueren Unternehmen, in einem Er-oberungszug nach Indien anvertrauen. Der ältere der beiden Brüder,Gotthart Johann, wurde allgemein, und wohl mit Recht, für einender tüchtigsten Generale der russischen Armee gehalten. Der Groß-fürst achtete ihn sehr hoch, aber da Knorring ein Mann von unab-hängigem Charakter war, der seine Meinung unumwunden auszu-sprechen pflegte, kam es hin und wieder auch zu Reibungen zwischenihm und dem Erben der russischen Krone. Zu einem Bruch gestal-teten sie sich indessen doch nie, da die Großfürstin Maria Feodorownastets liebenswürdig und besonnen zu vermitteln wußte. — Einmal er-gab sich zu Gatschina eine geradezu leidenschaftliche Scene, als derGroßfürst eines Tages dort in seinem Cabinet mit Knorring alleinwar. Er lieh hier dem Haß Worte, dessen Gegenstand für ihn GrafMussin-Puschkin war, weil er in ihm einen der Mörder seines Vaterssah. Knorring widersprach entschieden, da er mit Bestimmtheit wußte,daß Mussin-Puschkin in keiner Weise bei jener frevelnden Unthat be-theiligt gewesen war. Der Großfürst konnte Widerspruch auch inseiner gedrückten Lage — oder vielleicht eben in dieser Lage, um