Band 
Erster Band.
Seite
157
JPEG-Download
 

Das Ende des Kaisers Paul.

157

gemäß, welche der Kaiser eingeführt hatte, die Degen aller Offiziere,die unter Arrest waren, aufbewahrt: Paul suchte eine Waffe zu sei-ner Vertheidigung. Aber man vertrat ihm den Weg, denn die Ver-schworenen, die erst entflohen waren, fanden sich nun wieder so zahl-reich ein, daß nach und nach das ganze Gemach mit ihnen angefülltwar, und Bennigsen verschloß die Thüren, die nach jenem Nebenzim-mer und in die Wohnung der Kaiserin führten. Paul suchte sichnun den Weg zur Flucht zu bahnen, indem er in russischer Spracheschrie: „Arretirt! was heißt das, arretirt!" — man hielt ihn mitGewalt zurück, wobei besonders der Fürst Jaschwil und Major Ta-rütinow rücksichtslos auf ihn eindrangen; vergebens rief Bennigsendem Kaiser zweimal zu: „Rests?: trnnguills 8ire, il ^ va cle vosgonis!" — Der Unglückliche suchte sich durchzuringen und wiederholteseine Worte; es entstand ein leidenschaftliches Handgemenge, die spa-nische Wand stürzte um; in dem Lärmen unterschied Bennigsen dieStimme eines jungen Offiziers, der dem Kaiser zurief: „Schon seitvier Jahren hätte man ein Ende mit Dir machen müssen!" — „Washabe ich denn gethan?" erwiderte der Kaiser. — Auf ein plötzlichesGeräusch im Vorzimmer wendeten sich wieder viele der Verschworenenzu neuer Flucht; aber Bennigsen sprang in die Thüre und drohtemit lauter Stimme, jeden niederzustoßen, der die Flucht versuchte.„Jetzt ist nicht mehr Zeit, zurückzutreten!" fügte er hinzu.

Jenes gewaltige Geräusch war dadurch veranlaßt, daß ein mit-verschworener Offizier, Bibikow, mit einer Abtheilung des Semenow-schen Regiments in das Vorzimmer einrückte. — In diesem Augen-blick, wo kein Zweifel mehr darüber walten konnte, wie das Hand-gemenge mit dem Kaiser — das immer gewaltsamer wurde — inden nächsten Minuten enden mußte — besonders da Paul jetzt end-lich darauf verfallen war, mit lauter Stimme unaufhörlich nach Hilfezu rufen — da befahl der kluge Bennigsen dem jungen berauschtenFürsten Jaschwil, den Kaiser zu bewachen, und eilte selbst hinaus indas Vorzimmer, um — „die Aufstellung der Wachen zu besorgen!"

Wie die Zeugen dieser letzten grauenhaften Augenblicke nachheraussagten, suchte sich der Kaiser mit der Anstrengung der Verzweif-lung von Jaschwil loszureißen; im Ringen stürzten beide zu Boden;ein Garde-Offizier, den Bennigsen Skelleret nennt, (ohne Zweifel Ska-rätin), riß sich die Schärpe ab und wand sie dem Kaiser, den Jaschwil