Band 
Erster Band.
Seite
158
JPEG-Download
 

158

Das Ende des Kaisers Paul.

niederhielt, um den Hals; die Entfernteren drängten vorwärts, mehrere,die näher standen, wurden so auf die Ringenden gestürzt — derKaiser wurde erdrosselt und erdrückt, ohne daß die entfernter stehen-den bestimmt wußten, was eigentlich geschehen war.

Als Bennigsen nach wenigen Minuten wieder eintrat, stürzteihm schon in der Thür ein betrunkener, wüthender Offizier mit denWorten entgegen: „il ost aobsvo!" — Bennigsen stieß ihn zurück,rief „halt! halt!" in die Menge hinein — drängte sich durch zu derLeiche des Kaisers und stieß in großem Zorn die furchtbarsten Dro-hungen gegen die Thäter aus. Er, der die ungemein verständlichenWinke des Grafen Pahlen an der Abendtafel angehört hatte, ohneden geringsten Widerspruch zu erheben, untersuchte jetzt mit eifrigsterSorgfalt, ob der Kaiser noch am Leben zu erhalten — in das Lebenzurückzurufen sei; — als er sich „endlich" überzeugen mußte, daß jedeHoffnung vergebens sei, ließ er den entseelten Körper auf das Bettlegen. Den Dienern, die nun herbeigerufen wurden, sagte Bennigsen,der Kaiser sei am Schlage gestorben, und zugleich befahl er, denKörper sofort mit der Uniform zu bekleiden.

Platon Subow war unterdessen zur Schloßwache geeilt, die erausrücken ließ. Er traf hier mit seinen beiden Brüdern zusammen,und auch der Großfürst Alexander hatte sich eingefunden. Dieserhatte den Abend an der Tafel seines Vaters gespeist, und seitdemdas Manifest unterschrieben, vermöge dessen er die Mitregierung über-nahm; — jetzt stand er vor der aufmarschirten Wache; vielleicht dorthinbeschieden, um den Soldaten durch seine persönliche Erscheinungzu imponiren. Denn es war vergebens, daß die Snbow's die Wacheaufforderten, dem „Kaiser Alexander" ein huldigendes Hurrah! zu-zurufen. Selbst die persönliche Gegenwart des Großfürsten vermochtenichts über die Leute, sie weigerten sich standhaft, bis ein von Ben-nigsen gesendeter Offizier die Nachricht brachte, daß der Kaiser Paulgeendet habe.

Hier, im Schloßhof, der Wache gegenüber, traf den bisherigenGroßfürsten diese furchtbare Botschaft, und im ersten Augenblick,während die Soldaten der Wache ihn jetzt willig als Kaiser begrüßten,schien Alexander außer sich vor Schmerz über diesen unerwartetenSchlag.

Doch wußte er sich schnell einigermaßen zu fassen; als Bennigsen