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Die Befreiungskriege 1812—14.
lung und in ihrer jetzigen, veränderten Gestalt, in leichten Umrissenneben einander stellen.
Da bemerken wir zunächst, daß in Beziehung auf den Zug nachRußland, was die Führung des Krieges von Seiten Napoleon's be-trifft und die Geschichte der französischen Armee, verhältnißmäßig amwenigsten zu wünschen blieb. Chambray hatte bereits die Hauptzügefestgestellt. Leuten, wie Gourgaud und Fain, die der Evidenz zumTrotz fortfuhren, ihren Helden auch hier als unfehlbar und untadel-haft darzustellen, selbst nachdem der Beweis des Gegentheils geführtwar, konnte natürlich nicht geholfen werden; denn ihnen war es nichtum die Wahrheit zu thun, sondern darum, die Interessen der Napo-leoniden durch Täuschung zu fördern; und ist schon eine wirkliche,leidenschaftlich aufgeregte Stimmung nicht leicht zu überzeugen, soist es eine vorsätzliche, gemachte Leidenschaftlichkeit noch weniger.Daß ihre handgreiflich unwahren Darstellungen neben den wahr-hafteren Berichten eines Chambray und Gouvion St. Cyr namentlichin der französischen Historiographie ihre Stelle behaupteten, beweistnur, was wir schon oben andeuteten: daß nämlich die ernste For-schung, damit ihre Ergebnisse fruchtbar werden können, auch einesPublikums bedarf, das geneigt ist, sie zu hören, anstatt sie mit blin-der Leidenschaftlichkeit abzuweisen. — Auch wurden die dreisten Be-hauptungen dieser Leute durch die St. Helena-Literatur immer wiedervon» Neuem bestätigt. Was dem Geschichtschreiber in Beziehung aufdiesen Theil seiner Aufgabe oblag, war, durch eine kritische Sichtungdes bekannt gewordenen Materials die Wahrheit in ihr vielfach be-strittenes Recht einzusetzen, die Lüge und ihre geräuschvollen Ansprüchezu beseitigen.
Anders verhielt sich die Sache in Beziehung auf die Geschichteder russischen Armee, über welche die Wahrheit großenteils noch garnicht zu Tage gekommen war. Selbst über den Operationsplan,darüber, wie der Kaiser Alexander und seine strategischen Rathgebersich die Vertheidigung des Reichs gedacht und sie eingeleitet hatten,war man durchaus im Zweifel. Die mehr oder weniger officiellenrussischen Schriftsteller dursten freilich nicht die Fabel erzählen, daßman mit Absicht den Feind durch einen wohl berechneten Rückzugtief in das Innere des Reichs zu locken suchte, auf daß er dort er-schöpft im rauhen Winter seinen Untergang finde, den man mit pro-