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Erster Band.
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Die Befreiungskriege 1812—14,

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Man hat sein Zögern durch eine Fabel erklären wollen, die ne-benher der List des alten Kutusow zur Ehre gereichen soll. Kutusow,heißt es, habe angebliche Berichte an seinen Kaiser geschmiedet, darindie Lage der Dinge als hoffnungslos geschildert, dringend zum Frie-den gerathen, und diese Berichte in die Hände der Franzosen fallenlassen. So habe er künstlich die Täuschung genährt, in der Napoleonlebte, und ihn klug verleitet, bis in die späte Jahreszeit hinein zuzaudern! Es wäre kaum ein Beweis von Scharssinn, wenn Napoleonsich durch eine so plump angelegte List täuschen ließ, — aber dem istnicht so. Kutusow war weit entfernt, von dem längeren Verweilender Franzosen ihren Untergang zu erwarten; er war zu einem soklaren Verständniß der Sachlage nicht gelangt, und besorgte vielmehrneue Angriffe Napoleon's, neue Unternehmungen, die auf den frucht-baren Süden des Reichs gerichtet wären. Und selbst wenn er klarergesehen hätte, würde er nichts gethan haben, den Rückzug der Fran-zosen zu verzögern. Der Kaiser Alexander wünschte Moskau vomFeinde befreit zu sehen, und forderte Thaten von seinem Heer inBriesen an den Feldherrn, die Unwillen und Entrüstung deutlich ge-nug aussprachen. Kutusow's Kleinmnth, seine Furcht vor Napoleon,die sich von Austerlitz Herschrieb und seit Borodino gesteigert war,ließ es zwar zu Thaten nicht kommen, aber er verstand seinen Kaiser,und besorgt um seine persönlichen Interessen, die für ihn stets maaß-gebend blieben, wünschte er nichts sehnlicher, als die Franzosen jeeher je lieber abziehen zu sehen.

Was Napoleon in Moskau festhielt, war ein Wahn, den er sichlediglich selbst geschaffen hatte.

Napoleon trat endlich seinen furchtbaren Rückzug an, suchte sichdurch den Süden Rußlands eine neue Bahn zu brechen, und wichvor dem ersten Widerstand, den er fand, zurück auf die verödeteStraße, die er gekommen war, auf den Weg, wo sein Heer denUntergang finden mußte und fand! — Wie unwahr, wenn die Fran-zosen immer wiederholen, nur die Elemente hätten sie besiegt, nurder Frost, ein unerhört früher und strenger Winter fei ihnen ver-derblich geworden, sonst hätten sie sich siegreich am Dniepr behauptenkönnen! Der Herbst des Jahres 1812 war ungewöhnlich lang undmilde, und als endlich, spät, ein zunächst mäßiges Frostwetter ein-trat, war der größte The^ der Armee schon durch Hunger und na-

v. Bernbiirdi, ven». Schriften. 7 , 1Z