Band 
Erster Band.
Seite
218
JPEG-Download
 

218

Die Befreiungskriege 1812—14.

scheu Schritten, zu verderblichem Wagniß verleitet hatten, und er ver-lor die Fassung. Schon die leidenschaftliche Eile, mit der er sogleichBoten auf verschiedenen Wegen an den Fürsten Metternich absendete,um die Unterhandlungen wieder aufzunehmen, verräth, wie sehr er-schreckt er war, und in seinen kriegerischen Operationen vermissen wirvon dem Augenblick an Haltung und Zusammenhang.

Im Rath der Verbündeten hatte Gneisenau in richtiger Erkennt-niß der allgemeinen Verhältnisse stets erklärt, wenn Napoleon je sothöricht sei, Paris blos zu stellen, um die Verbündeten zu umgehen,müsse man ihn ziehen lassen, ohne sich um seine ohnmächtigen Unter-nehmungen im Rücken der verbündeten Heere zu kümmern, auf Pariszueilen, das man dann wehrlos finden werde; mit dem Verlust derHauptstadt sei auch Napoleon's Thron gestürzt. Aber im großenHauptquartier hatte man solche Worte bis zu diesem Augenblick nurmit Befremden, als etwas Unpraktisches und Extravagantes angehört.

Auch jetzt noch, als ein aufgefangener Brief Napoleon's an seineGemahlin den Verbündeten seine Pläne verrieth, erwog Schwarzen-berg mit seinem Generalstab vor allen Dingen, ob nicht vielleicht dochnoch die schon verlorenen Verbindungen mit dem Rhein vermöge eili-ger Gewaltmärsche rückwärts wieder zu gewinnen seien, und erst alsdie vollkommene Unmöglichkeit, so etwas auszuführen, ganz entschiedendargethan war, entschloß man sich zu etwas Anderem: Schwarzen-berg, wie seine eigenen Briefe sehr deutlich aussprechen, mit sehrschwerem Herzen; denn in seinen Augen war die Lage der Verbün-deten bei Weitem mehr gefährdet, als die Napoleon's.

Es wurde nun beschlossen, zunächst die Vereinigung mit Blücher'sHeer zu suchen, und dann mit gesummter Macht dem französischenKaiser zu folgen, ihn wo möglich zu ereilen, und durch den Sieg ineiner entscheidenden Schlacht die verlorenen Verbindungen wieder zugewinnen.

Aber da die Verbündeten nun schon aus den Verbindungen desFeindes standen, auf der Straße, die von Paris zu Napoleon's Heerführte, fielen zahlreiche Briefe bedeutender Männer, auch Berichte desPolizeiministers Savary, in ihre Hände, und in diesen Papieren zeigtesich der wirkliche, hoffnungslose Zustand Frankreichs, die gänzlicheErschöpfung aller Hülfsmittel, die gährende Unzufriedenheit, die imganzen Lande, und vor Allem in der Hauptstadt herrschte. Es er-