Der Feldzug 1812 in Rußland noch einmal.
259
schlecht fährt dann noch bei unserem Verfasser ein „Herr Knesebeck,"den eine Sendung im Februar 1812 nach Petersburg führte, und derdort auch dem Rückzugsgedanken das Wort geredet haben will. Esist der Feldmarschall Knesebeck gemeint, der, damals Flügeladjutantund Vertrauter des Königs von Preußen, auch mit dem Kaiser-Alexander auf einem sehr vertrauten Fuß stand, wie außer allemZweifel steht. Daß die bevorstehenden Operationen auch mit ihmbesprochen wurden, geht aus seinen gleichzeitigen Berichten hervor;über das Nähere kann ihn sein Gedächtniß später allerdings getäuschthaben; — daß er in Petersburg nicht einen so großen und besondersnicht einen Einfluß der Art, wie er glaubte, geübt hat, das liegtjedenfalls zu Tage, da der Feldzug von Seiten der Russen ebennicht der vorausgesetzten großartigen Rückzugs-Jdee gemäß einge-leitet wurde.
Gewiß aber ist bei alledem kein Grund abzusehen, sich über denwürdigen Mann mit solcher Schärfe zu äußern, wie hier geschieht.Herr v. Smitt berichtet nämlich von ihm: „Um der Prahlerei denrechten Stempel aufzudrücken, schließt er seine Erzählung mit einerMünchhausiade" — und nun folgt Knesebeck's Bericht, wie er in1'/, Stunden von Petersburg nach Zarskoe-Selo gefahren fei; dassei eine Entfernung von neun Meilen, — was doch höchst wahrschein-lich ein bloßer Schreib- oder Druckfehler ist.
Knesebeck's politische Ansichten erregten in Preußen mancherleiBedenken, und nicht mit Unrecht, wie wir glauben; auch zu den erstenStrategen der Zeit wollen wir ihn nicht rechnen; — daß er aber vonCharakter ein Ehrenmann war, das hat ihm Freund und Feind lassenmüssen.
Es tritt noch ein anderer Umstand hinzu, der die gegen ihn ge-wendete Schärfe doppelt auffallend macht. Barclay hat nämlich zweiDenkschriften über den Feldzug 1812 verfaßt, deren Eine wir in demLeben Toll's sorgfältig benutzt haben. Die Andere, die er späterniederschrieb, als ihm die Ereignisse nicht mehr in derselben Weisegegenwärtig waren, ist für die Geschichte nicht zu brauchen.
Herr v. Smitt theilt sie im Auszuge mit. Barclay erzählt darinunter Anderem: „Es ward demnach," gleich zu Ansang des Feldzugsnämlich, wie es scheint in Wilna, „in einem Kriegsrathe beschlossen,den Krieg vertheidigend bis zu der alten Grenze des Reichs zu füh-
17*