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Das russische Heer im Frühjahr 1ß5i.
Verhältnissen des Soldaten entnommen, ganz von selbst unter allenBedingungen und ohne daß sie besonders angeregt zu werden brauchte,vielfach bestimmend in seinem Gemüthsleben hervortritt —: „Unselig",die Unsrigen. So nennt der Soldat im engeren Sinn die Regiments-gefährten, im weiteren das gesammte russische Heer. Er hält es fürFrevel und schimpflich, „die Unsrigen" in irgend einer Noth undGefahr zu verlassen, und ist großer Hingebung für die Genossenfähig. — (Bei dem Sturm von Warschau 1831 bemächtigte sich insehr charakteristischer Weise ein Gefühl von Unmuth und Beschämung,das zuletzt sehr laut wurde, der gesammten Infanterie der Garde,die auch hier wieder, wie den ganzen Feldzug über, außer dem Ge-fecht in Reserve gehalten wurde. Die Garde-Soldaten sahen vonihrer Stellung aus in der Entfernung, gleichsam am Horizont, einenTheil des Gefechts und hörten das Rollen des Feuers und mußtenunthätig zusehen. So sehr der russische Soldat gewöhnt ist zu schweigen,erhoben sich doch hier aus den Gliedern unzufriedene Stimmen. „DieUnsrigen raufen sich dort (ckorutsu) und haben einen harten Stand,und uns hält man hier zurück! es ist eine Schmach! (st^cluo!)" —in solchen Worten äußerte sich die wachsende Unzufriedenheit; derStimmen wurden so viele daß es nicht mehr möglich war Stillschweigenzu gebieten. Die Offiziere, die übrigens — wie mir ihrer viele ge-sagt haben — von demselben Gefühl peinlich genug ergriffen waren,mußten thun als hörten sie nicht; es blieb nichts Anderes übrig.)
Mit diesem Gefühl der Genossenschaft hängt auch eine andereErscheinung zusammen, die zu Zeiten im Leben des russischen Sol-daten hervortritt. Er führt im Allgemeinen den Kamps mit demGegner, gegen den sein Kaiser ihn aussendet, ohne Erbitterung; erist gutmüthig dem Gefangenen, dem verwundeten Feinde gegenüber.Wenn er aber erfährt und weiß, daß eine Anzahl seiner Gefährtenvom Feinde meuchlings ermordet und gepeinigt worden ist, — wie1794 in Warschau — dann kann ihn wohl eine leidenschaftliche Er-bitterung erfassen, die nichts verschont.
Eigenthümlich ist auch, wie er in verschiedener Lage von seinemLeben im Kriegsdienst spricht. Befragt man den Soldaten im activenDienst über den Zustand, in dem er lebt, so hört man kaum etwasAnderes als wehmüthige Klagen. Der verabschiedete Soldat dagegen;der seine Dienstsahre glücklich überstanden und hinter sich hat, der