Das russische Heer im Frülijasir 1854.
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denkt nicht mehr an Druck und Mühsal der vergangenen Zeit, underzählt, besonders wenn er Unteroffizier gewesen ist und Feldzügemitgemacht hat, gern von seinen Erlebnissen im Felde, und den Fähr-lichkeiten, die er selbst und seine Genossen bestanden haben.
Der gebildete russische Offizier, der die Welt und fremde Länderkennt, der auch andere Armeen kennt als die russische, theilt natürlichnicht die seltsamen Vorstellungen von russischer Ueberlegenheit, die inminder gebildeten Kreisen vielfach herrschend sind — aber er rechnetdarum nicht minder aus die Tapferkeit seiner Leute, und mit Recht.
b. Das Offizier-Corps.
Es ließe sich wohl der Satz ausstellen und vertheidigen, daß inRußland alle Verhältnisse, die sich auf Machtentfaltung nach Außenbeziehen, bis auf einen sehr hohen, man ist mitunter versucht zusagen, bis aus einen bedenklichen Grad gesteigert sind. Heer undFlotte stehen in der Entwickelung, die man ihnen gegeben hat, we-nigstens nicht mehr in einem bequemen Verhältniß zu den wirklichenKräften der Reichs.
Das im Allgemeinen dünn bevölkerte Land entbehrt einer Million— und mehr — rüstiger Männer, die der produktiven Arbeit entzogensind, nicht ohne sie zu vermissen; besonders aber steht diese gewaltigebewaffnete Macht, die immer vollzählig und kriegsbereit dastehen soll,nicht in einem angemessenen Verhältniß zu den Finanzkräften desReichs. Es fehlen die Mittel, diese große Anzahl Bewaffneter inangemessener Weise zu besolden und zu verpflegen; daher dieses Systemallgemeinen Darbens, dessen Folgen schon im Frieden fühlbar genugsind, und dessen Nachwirkungen vollends sich im Felde oft mit be-denklichem Gewicht geltend machen.
Fast scheint es auch, als stehe die Heeresmacht Rußlands nichtin einem richtigen Verhältniß zu der Anzahl derer im Lande, die inder Lage sind, sich eine höhere Bildung anzueignen, selbst wenn manden Begriff höherer Bildung nach einem sehr bescheidenen Maßstabe be-messen wollte. Es hält im regelmäßigen Zustand der Dinge immerdaretwas schwer, die Anzahl der Offiziere aufzutreiben, die zur Leitungeines solchen Heers erforderlich wäre. Es fehlen ihrer beständig inder Flotte mehrere Hunderte, in der Landarmee gegen zweitausend.
Schon daraus ergiebt sich ganz von selbst, daß man in den For-derungen an die Kandidaten zu Osfizierstellen nicht sehr streng sein