Band 
Erster Band.
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Das russische Heer im Frühjahr 1854.

(in Preußen Fähnriche, in Oesterreich Regiments-Cadetten genannt)zu den Regimentern, nachdem sie daheim von dem Popen im Dorf,oder von dessen „Diatschok" (Diaconus) lesen, schreiben und auf demnationalen Rechnenbrett rechnen gelernt haben. Beim Regimentlernen sie dann exerciren und damit begnügt man sich. In neuesterZeit ist freilich ein Examen vorgeschrieben worden, dessen Programmnicht weniger als sieben eng gedruckte Seiten einnimmt, doch abereigentlich nur mäßige Forderungen stellt. Es wird nur einige Kennt-niß einer fremden Sprache verlangt (der französischen oder der deut-schen); — Arithmetik bis zur Regel Detri und den Decimal-Brüchen;— Geschichte und Geographie. In der Geschichte sollen die jungenLeute in auffallender Weise über gar vielerlei Auskunft geben können:über Athen und Sparta — Rom und Karthago, die Merowinger unddie Hohenstausen — Kreuzzüge und die Reformation — kurz überjedes Welt-Ereigniß ohne Ausnahme. — Zum Trost und zur Er-muthiguug kann jedoch den jungen Leuten dienen, daß ihnen ein paarsehr dürftige russische Compendien empfohlen werden, als genügendum sich aus ihnen auf das Examen vorzubereiten. Und wer danndie Offiziere kennen lernt, die angeblich dieses Examen bestandenhaben, der überzeugt sich bald, daß die Sache vorläufig von keinerSeite ernsthaft genommen wird.

Seltsamer Weise wird durchaus gar keine Kenntniß der Geo-metrie verlangt — und was die militairischen Kenntnisse betrifft, solernen die Junker, wie gesagt, den „Dienst in der Fronte"; weiterwird selbst in der Idee nichts von ihnen erwartet.

Als vierte Klasse endlich zählen wir diejenigen Offiziere, die,wie man das nennt, von der Pike an gedient haben, d. h. die ausder Pflichtigen Mannschaft, aus den vom Lande gelieferten Rekruten,nach langer Dienstzeit hervorgegangen sind. Es sind ihrer im Gan-zen nicht wenige, denn nach den bestehenden Vorschriften soll einjeder znm Offizier befördert werden, der zwölf Jahre über „untadelig"als Unteroffizier gedient hat. Zur Zeit des Kaisers Alexander wurdeder „ausgediente Unteroffizier" — wie man diese Leute nennt, unbe-dingt befördert, sobald seine Jahre um waren, selbst wenn znr Zeitim Regiment keine Vacanz war. Jetzt ist besohlen, sie nurin so weit zu befördern, als sich Vacanzen ergeben. Die finden sichjedoch häufig genug. Man würde aber irren, wenn man etwa glauben