DaS russische Heer in> Frülijahr 1W4.
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Verabredungen zwischen Lehrern und Schülern thun sehr oft dasBeste. Auch Bestechungen kommen vor. Den Schluß macht das öffent-liche Examen, zu dem die hohen Würdenträger des Reichs eingeladenwerden — und das ist natürlich eine Art von dramatischer Vor-stellung; die Zöglinge wissen die Fragen vorher, die einem Jedenvon ihnen gestellt werden, und haben die Antworten auswendig ge-lernt — und die offizielle Welt ist selbstverständlich osfiziel sehrbefriedigt von dem glänzenden Verlauf des Examens; im Stillenaber weiß auch hier ein Jeder, wie es eigentlich bestellt ist.
Nicht unbedingt Vortheilhaft wirkt dann auch daß bei der schließ-lichen Classifizirung der Zöglinge das, was man „gute Aufführung"nennt, die angebliche Sittlichkeit der jungen Leute, eben so viel gilt,als ihre Fortschritte in allen Gegenständen des Unterrichts mit ein-ander — und zwar weil der Maßstab, nach dem die Sittlichkeit be-messen wird, nicht als ein durchaus zuverlässiger anerkannt werdenkann, und Nachsicht und Strenge sehr häufig am unrechten Ort znrAnwendung kommen. — —
Die besten Zöglinge eines jeden Cadetten-Corps kommen in dieGarde. Aus jedem indessen nur ein Paar, so daß diese Beförderungden Zöglingen nur ein Sporn sein soll, nicht zur wesentlichen Er-gänzung des Osfizier-Corps der Garde dient. Die klebrigen werdenmit besserer oder schlechterer Anciennität, je nachdem man mit ihnenzufrieden war, zu den Feldregimentern befördert. Die schlechtestenendlich werden in die Bataillone der „Inneren Wache" und in diesogenannten Linien-Bataillone vertheilt, denen ihr Standort für immeram Kaukasus oder an der asiatischen Grenze des Reichs angewiesenist. Eine solche Bestimmung gilt als Strafe. Die jungen Leute,die davon betroffen werden, sind freilich zum sehr großen Theil ganzverwilderte, rohe Subjecte, die eigentlich überhaupt nicht Offizierewerden müßten, denen irgend eine Autorität überhaupt nicht anver-traut werden dürfte, selbst die eines Unter-Lieutenants nicht. Dochselbst ganz abgesehen davon, müßte es eigentlich wohl eine Truppe,bei der Offizier zu werden als Strafe gelten kann, überhaupt nichtgeben.
Die dritte Classe der Offiziere bilden junge Leute aus dem sehr zahl-reichen und armen kleinen Provinzial-Adel, die nicht haben in den Ca-dctten-Häusern untergebracht werden können. Die kommen als „Junker"