Band 
Zweiter Band.
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Der französische Adel in seinem Berliältniß

mal zum Anfang ihrer eigentlichen Thätigkeit gelangen. Den Prinzenvon Geblüt aber, Artois, Condo und Conty, denen war es, gleichwie der Partei des hohen Adels die man vorzugsweise als „denHos" bezeichnete, gar sehr erwünscht. Man sah darin eine Veran-lassung die Stände auseinander zu sprengen, die parlamentarischeRegierung im Keim zu ersticken, und jeder unbequemen Neuerungdie „den Hof" um seinen Einfluß bringen konnte, bei Zeiten vorzu-beugen. Man hoffte um so mehr auf Erfolg, da die Königin ganzfür die Ansichten dieser Herren gewonnen war. Marie Antoinettewar erschrocken, als sie sich bei Eröffnung der Stände einer neuenMacht gegenüber sah, die leicht eine drohende werden konnte, unddas entschlossene Vorgehen reizte sie mehr und mehr. Der Salonder Fürstin Polignac wurde der Schauplatz einer kleinlichen Jntriguen-weberei; Artois suchte dort mit einem sehr unzureichenden geistigenVermögen und großer Anmaßung die Hauptrolle zu spielen, was nurschaden konnte, da niemand eine sehr hohe Meinung von seinem Ver-stände oder seinem Charakter hatte, und seine Sitten, sein Lebens-wandel woch weniger Achtung geboten. Die unglückliche Königinwurde bewogen, sich öffentlich als die Beschützerin des Adels hinzu-stellen. Die Ohnmacht wußte sich nicht als solche zu erkennen undglaubte die Macht zu besiegen, wenn sie bloß deren Feindschaft über-müthig herausforderte. So wurde das Feuer geschirrt!

In der Adelskammer selbst war nun der Parlamentsrath Duvald'Espremenil der leidenschaftlichste wie der gewandteste Vertheidigerdessen was er die alte, rechtmäßige Verfassung Frankreichs nannte.Er und ein junger Herr von Cazalös leiteten hauptsächlich die Be-schlüsse und brachten es dahin daß der Adel sich am 11. Mai alsabgesonderte Kammer abschließend constituirte. Die Gemeinen, wieman nun den dritten Stand auch schon nannte, wollten diesen Be-schluß nicht anerkennen. Die Geistlichkeit schwankte; denn nachdemsie mit nur 133 Stimmen gegen 114 den Beschluß gefaßt hatte sichebenfalls abgesondert zu constituiren, machte sie denn doch vermit-telnde Vorschläge. Sie forderte die beiden übrigen Stände auf einegemeinschaftliche Commission zu ernennen, die sich über die großeStreitfrage berathen und einigen sollte; sie selbst wollte in diesemFall die Prüfung der Vollmachten bis zur Erledigung der Sache ver-tagen.