II.
Die französische Kevoluiion und die historischeForschung.
H. v. Sy bel, Geschickte der Revolutionszeit von 1789 bis 1799, 3 Bande. Düssel-dorf. Zweite Auflage 1899. 60.
Die großen Revolutionen, welche Verfassung, gesellschaftliche undCulturzustände großer Völker von geschichtlicher Bedeutung umgestal-ten, und einen mächtigen Einfluß aus den Gang der Weltgeschichteüberhaupt üben, sind, ihrem inneren Wesen nach, nie das Werk desAugenblicks, wie plötzlich und gewaltsam auch die Krisis hervortretenmag, die eine Entscheidung zu bringen, die Lebensformen einer ver-gehenden Zeit zu zertrümmern, und neue zu gründen strebt. DieWeltgeschichte zerstört, schafft, formt und bildet in gewissem Sinnwie die Natur, durch im Einzelnen unmerkliche Uebergänge, durch eintausendfaches Gewebe bestimmender Ursachen und wirkender Kräfte,dessen einzelne Fäden sich nicht überall bis zu ihren Anfängen hin-auf verfolgen lassen. Auch die Natur stößt in ihrem an sich gleich-mäßig fortschreitenden Werk an bestimmten Stellen aus einen hem-menden Widerstand, an dem sich die wirkenden Kräfte eine Zeit langstauen, bis sich eine Macht angesammelt hat, welche, in einem ge-gebenen Augenblick, die stetig strebenden Elemente in ihrer Arbeitgleichsam überholt, und mit furchtbarer Gewalt, zertrümmernd, um-gestaltend, an solcher Stelle das geräuschlose Werk der Jahrtausendeplötzlich ergänzt und zur Anschauung bringt.
Verwandte Erscheinungen treten auch in der Geschichte der Völ-ker hervor; in ihnen aber offenbart sich wie die Analogie, so auch dieVerschiedenheit zwischen dem Walten der Natur und dem Gang derWeltgeschichte. Denn solche gewaltsame Katastrophen ergeben sich indem Leben der Völker nicht mit der unbedingten Nothwendigkeit einer