Die französische Revolution und die historische Forschung.
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Naturerscheinung. Die menschliche Gesellschaft ist ein ethischer Or-ganismus, ihr Geschick wird nicht blos durch die nicht unmittelbarbeabsichtigte Einwirkung der Culturzustände und ihrer Entwickelungbestimmt, durch Mächte, die an sich in unbedingter Weise wirken:auch das Bewußtsein und der Wille des Menschen greisen mächtigund bedeutsam ein. Der drohende Umsturz könnte vorhergesehen,er könnte vermieden werden. Es ist möglich, der gewaltsamen Er-schütterung vorzubeugen, wenn die gebietenden Mächte im Staat undin der Gesellschaft selbst sich zu Vertretern der Zukunft machen: siewird herausgefordert, wenn diese Mächte die Forderungen der Gegen-wart als Vertreter der Vergangenheit abweisen, die überlieferteil For-men des staatlichen Lebens ausrecht erhalten wollen, ob sie auch demInhalt desselben nicht mehr entsprechen, und das Recht zu herrschenfür Elemente der Gesellschaft in Anspruch nehmen, denen die realeMacht dazu fehlt. Sie unterliegen dann im Kampf mit einem Willen,der in leidenschaftliche Willkür ausartet, mit einer Gewalt, die alleBande zerreißt und eine frevelnde wird.
So knüpft sich an die Geschichte einer jeden gewaltsamen Revo-lution die Erinnerung an ein großartiges Streben und an eine viel-fache Schuld. Eben deshalb aber genügt auch in Beziehung aufdiese großen Wendungen im Leben der Völker nicht, wie den Revo-lutionen der Natur gegenüber, die bloße Erklärung des Phänomens,j Es ist sogar unmöglich, bei einer solchen stehen zubleiben; jede Dar-stellung versucht die Erklärung, und jede Erklärung gestaltet sich zueinem Urtheil, welches das intellektuelle und sittliche Bewußtsein desMenschen fällt. Und mit Recht. Die Gegenwart bedarf eines Ur-theils über die Vergangenheit, um ein Urtheil für die Zukunftzu haben.
Daß parteiische Darstellungen die Thatsachen zu entstellen, unserUrtheil irre zu leiten suchen, liegt in der Natur der Sache; denn eshandelt sich in solchen Kämpfen nicht blos um Ideen, um abstracteDoctrinen und wesenlose Theorien; reale Interessen, ein Besitz, derangestrebt, und von der anderen Seite vertheidigt wird, find der Ge-genstand des Kampfes, dessen Ergebniß über die äußere Stellung derEinzelnen in weiten Kreisen entscheidet, und selbst über die materiellenBedingungen des Lebens, die der Einzelne sich dienstbar machen kann.Die Leidenschaften der Menschen, die niedrigsten und rohesten wie