Band 
Zweiter Band.
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Die ftanzösische Revolution und die historische Forschung.

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Quellen nur unvollständig Aufschluß gaben, oder solche, deren Dar-stellung theils Irrthum, theils berechnende Absicht geradezu entstellthaben. Gar manche Vorstellung, die, hauptsächlich von Frankreichaus, zu weit verbreiteter Geltung gebracht, schon zu einer herkömm-lichen geworden war und bleibend in die Geschichte überzugehendrohte, erweist sich als vollkommen unhaltbar, als das gerade Gegen-theil der Wahrheit — und diese letztere tritt nun an die Stelle desWahngebildes.

Um den Gewinn bestimmter nachzuweisen, der sich aus dem Gan-zen und einzelnen Theilen in solcher Art für das Verständniß der sooft schon erzählten Revolution, für deren echte, wahre Geschichte er-giebt, wollen wir versuchen, soweit die uns hier gesteckten Grenzengestatten, sowohl dem Gang der Untersuchungen Sybel's im Allge-meinen zu folgen, als die an Bedeutung besonders hervortretendenAbschnitte näher zu bezeichnen.

Das Werk beginnt mit einer Darstellung der Verfassung undder realen Zustände Frankreichs unter Ludwig XIV. und seinen Nach-folgern. Wer die Geschichte der Staaten romanischer Zunge in Europawährend der letzten viertehalb Jahrhunderte mit unbefangenem Blickübersieht, der kann sich wohl nicht gegen die Ueberzeugung verschließen,daß diese Staaten sich selbst die unheilvollsten Fesseln anlegten, ihreeigene Fortbildung unendlich erschwerten, ja theilweise unmöglichmachten, indem sie die Reformation von sich stießen. Es bedarfwohl keiner Erinnerung daran, wie vielseitig das Leben der Mensch-heit sich seit dem sechzehnten Jahrhundert erweitert hat, und gewißkonnte den Forderungen, welche die neue Zeit an den Einzelnen undan die Masse stellte, innerhalb der engen Grenzen nicht genügt werden,die das Tridentiner Concilium von Neuem der freien Geistesbildungzog. Wir sehen daher die einzelnen katholischen Reiche Europasziemlich in demselben Verhältniß, in dem sie sich mehr oder wenigervollständig abweisend gegen die Forderungen der Reformationszeitverhielten, die Strafe tragen, welche der Gang der Weltgeschichte übersie verhängte. Tief sank vor Allem die einst blühende iberische Halb-insel unter der Herrschaft der Jesuiten und der Inquisition, und aufden Ländern, in denen einst das regste Leben und ein berechtigterStolz geherrscht hatte, ruhte bald die Todtenstille der Ohnmacht undVerkommenheit.