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Zweiter Band.
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Die französische Revolution und die historische Forschung.

eine Thorheit war, dergleichen Rechte zu proclamiren, und zwar alsunveränßerbare Urrechte, die, über jedem Gesetz stehend, in jedemAugenblick gegen jedes Gesetz in Anspruch genommen und ausgeübtwerden könnten: das konnte ihm Niemand begreiflich machen. Dantonund Marat erklärten jubelnd ihre Zustimmung, weil sie in den Men-schenrechteu „die ganz ausreichende Waffe erkannten, um jede Ver-fassung zu Gunsten roher Willkür auseinander zu sprengen." Wasdieser Jubel bedeute, begriff Lasayette nicht; er schmeichelte aber seinerEitelkeit; der Widerspruch, den er erfuhr, verletzte dagegen seine Eitel-keit, und mit dem Starrsinn der Beschränktheit trat er Königthumund Vernunft in den Staub, um seinen Willen durchzusetzen.

Wir erfahren nun, daß er auch sehr unsaubere Mittel nicht ver-schmähte, um zu seinem Zweck zu gelangen. Es ist bekannt, daß esden Führern der entschiedensten Parteien zuvörderst darum zu thunwar, den König und die Nationalversammlung aus Versailles nachParis zu versetzen, wo man beide durch das sogenannte Volk beherr-schen konnte; unzählige Male sind die scheußlichen Scenen geschildertworden, die sich ergaben, als am 6. October 1789 ein wüthenderVolkshause und die Pariser Nationalgarde den König und seine.Familie nach Paris schleppte. Daß der Herzog von Orleans dieHoffnung hegte, Ludwig XVI. werde in diesem Tumult ermordetwerden, ist wohl nicht zu bezweifeln; Sybel fördert nun aber auchaus den Sitzungsprotokollen des Pariser Stadtraths zu Tage, wovonin Lasayette's Memoiren nichts zu lesen ist, daß es eben dieser Bürger-General war, der das ganze Beginnen zumeist veranlaßte. Ihm lagvor Allen daran, König und Nationalversammlung in Paris, wo erals Oberbefehlshaber der Nationalgarde Herr zu sein wähnte, unterseiner Obhut zu haben, um zunächst die Anerkennung der Menschen-rechte zu erzwingen, und überhaupt den Gang der Dinge zu be-stimmen.

Und wirklich hals er sie in einer beklagenswerthen Weise bestimmen.Mirabeau hatte den Weg zur Rettung richtig erkannt; er verlangteanstatt der bisherigen Regierung, die ganz außerhalb der National-versammlung stand, und keinen Einfluß auf die Debatten üben konnte,ein parlamentarisches Ministerium, das natürlich aus den Führernder Majorität bestehen mußte. Lasayette, der Mirabeau's überlegenenGeist fürchtete und haßte, gesellte sich diesmal zu der Hofpartei und