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Zweiter Band.
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Die französische Revolution und die historische Forschung. 169

um sich der Unterjochung Polens durch Rußland, überhaupt der Ver-nichtung dieses Reichs widersetzen zu können. Auch darüber giebt dashier besprochene Werk die bündigste Auskunft.

Unter solchen Umständen blieb den weiterstrebenden Parteien inFrankreich durchaus nichts Anderes übrig, als den Krieg selbst an-zufangen, wenn sie ihn mit Gewalt haben wollten. Aber sie wolltenihn mit Gewalt haben, denn sie wußten so gut wie Kaunitz und Leo-pold, daß er für Ludwig XVI. und die gemäßigte Partei die übelstenFolgen haben mußte.

Die zweite Nationalversammlung, die unmittelbar nach der „con-stitnirenden" als „gesetzgebende" an deren Stelle trat, war bekanntlichweit überwiegend republikanisch gesinnt. Die Girondisten, die in ihrzunächst herrschten, dachten nicht entfernt daran, sich des Auftrags zuentledigen, auf den ihr Mandat lautete, und die Verfassung durch Ge-setze zu ergänzen; der Sturz des Königthums, die Republik war dasZiel, das sie sich selbst stellten, und sie handelten dabei im Widerspruchmit ihren eignen sittlichen Grundsätzen, wie kaum je eine politischePartei gethan hat. Sie wollten eine plutarchische Republik gründen,die durch allgemeine Seelengröße und unbesiegbar redliche Bürger-tugend getragen werden sollte, und begannen ihr Werk mit der un-redlichsten Intrigue und Lüge. Jene erhabenen Tugenden sollten gleich-sam suspendirt sein, bis das Ziel erreicht wäre, dann aber urplötzlichin Kraft treten, um den Staatsbau, dem jede reale Grundlage fehlte,schwebend in der Luft zu erhalten.

Der Krieg sollte den gewünschten Umsturz herbeiführen, und des-halb erklärte Brissot, in der Sitzung am 17. Dezember, ziemlich zuderselben Zeit, als Kaunitz jeden Gedanken an Krieg so entschiedenvon sich wies, den Krieg für „eine nationale Wohlthat" und rief,„das einzige Unglück wäre, keinen Krieg zu haben!"

Der Zweck, den man verfolgte, gebot, Ludwig XVI. eines ge-heimen Bundes mit fremden Mächten zu zeihen, und die Gemütherdadurch zu erhitzen, daß man von einer Verschwörung aller Tyrannengegen Frankreich und gegen die Menschenrechte als von einer erwie-senen Thatsache sprach; in Wahrheit aber glaubte die herrschende Parteiso wenig an die Möglichkeit einer Coalition und an einen Principien-krieg gegen Frankreich, daß der Kriegsminister Narbonne sehr ent-schieden auf ein Bündniß mit Preußen rechnete. Unmittelbar nach Leo-