Die französische Revolution und die historische Forschung. 179
Die Nationalgüter sollten in dieser Weise an die Armen vertheilt,und wo sich noch größerer Grundbesitz finde, die Eigenthümer ge-zwungen werden, kleine Pachtungen zu bilden.
Weiter sind selbst Proudhon's Forderungen nicht gegangen.Dieses vielversprechende Staatswesen in Gang zu bringen, verlangtenRobespierre's Freunde die Dictatur für ihn.
Aber in dem Augenblick, wo Robespierre sich förmlich zumAlleinherrscher Frankreichs wollte erklären lassen, fehlte seiner Machtschon die reale Grundlage; die bewaffneten Pöbelbanden, auf die sichfrüher die Schreckensherschaft stützte, hatte er selbst vier Monatefrüher sprengen müssen, um den ihm verfeindeten Theil der Jacobiner,die Höbertisten, vernichten zu können. Daran ging er unter. DieNationalgarde, der Bürgerstand, ließ sich durch den Convent gegenihn aufbieten, und so konnte er gestürzt werden.
Aber die zuletzt überlebende Jacobiner-Fraction, die Thermi-dorianer, die nun herrschten, waren trotz eines milderen Regiments,und obgleich jene wilden socialistischen Pläne nun endlich aufgegebenwurden, verabscheut wie die ganze Partei; auch sie konnten sich nurdurch die roheste Gewalt im Besitz der Macht erhalten, und benutztendie geregelte Armee, die sich inzwischen im Felde gebildet hatte, alsWerkzeug tyrannischer Gewalt.
Und sie war dazu vortrefflich zu gebrauchen; denn von jenerschönen Begeisterung für Freiheit und Menschenrechte, die man ihroft genug angedichtet hat, fand sich in ihren Reihen keine Spur.Anstatt ihrer hatte sich, unter dem Einfluß einer solchen Regierungund solcher Zustände, ein wüster Landsknechtgeist entwickelt, der nachHerrschaft und Plünderungen lechzte.
Jede Regierung in Frankreich, in welche Formen sie sich auchkleiden mochte, war fortan ihrem wirklichen Wesen nach nichts alseine Militärherrschaft. Da, wo uns zuerst die Gründung einer solchenentgegentritt, die nothwendiger Weise zuletzt einen ruhmgekröntenFeldherrn zum unumschränkten Herrn Frankreichs machen mußte,bricht Sybel's Werk ab.
Es umfaßt, in seiner gegenwärtigen Gestalt, nur einen beschränk-ten Zeitraum, ohne bis zu einem der in der Geschichte gegebenengrößeren Ruhepunkte zu führen — doch aber fehlt ihm auch so ingewissem Sinn nicht der abrundende Schluß; denn schon treten die