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Zweiter Band.
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Unsere Verfassung :e. (1858)

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loses, theils phantasievolles, aber in beiden Formen durchaus unbe-rechtigtes Vertrauen, in unheilvoller Weise sich hat zu solcher Be-deutung entfalten lassen, daß alle dem deutschen Vaterlande feind-lichen Parteien ihren entschiedenen Vortheil dabei sehen, gemeinschaft-liche Sache mit ihm zu machen.

Es wäre wohl, auch jetzt wieder, vor dem Streben zu warnen,

in dieser alten wirklichen Welt, wo alles so vielfach bedingt ist, theo-

retische Gebilde unbedingt zu verwirklichen. — Es wäre daran zuerinnern, daß ein solches Streben, in dem bedingenden Elementder Wirklichkeit thätig, immerdar fern ab vom Ziel, in unbekannteWeiten führt.

Es wäre vor dem unbedingten Glauben an fortschrittlich klingendeSchlagwörter — oder Gemeinplätze — zu warnen, die wie geprägteMünze hin und her gegeben werden, als seien ihre Bedeutung undihr Werth bekannt und außer Zweifel — und bei denen man sicham Ende doch nur etwas sormlos-unbestilnmtes zu denken weiß.

Es wäre dann auch wohl eines Wahns zu gedenken, der für

den nicht leidenschaftlich Befangenen stets etwas Räthselhaftes behält,so oft auch schon Aehnliches in der Geschichte der Staaten und Völkervorgekommen ist. Wir meinen den Glauben an das Dasein einergroßen liberalen Partei, die zwar in mehrere Fractionen — (: National-Liberale, Fortschrittspartei u. s. w.) — gespalten, doch im Wesent-lichen Eines Sinnes sei. Man scheint nicht gewahr zu werden, daßeine in solchem Umfang gedachte Partei die allerfchroffsten Gegen-sätze und Widersprüche in sich aufnehmen müßte; daß die Fractionendie man da zusammen zählt, in Wahrheit nicht etwa blos in Neben-dingen verschiedener Anficht sind, sondern, ihrem eigensten Wesennach von Grund aus verschieden, einander als grader Gegensatz gegen-über stehen; daß sie von verschiedenen Prinzipien ausgehen und weit-verschiedene Endziele verfolge». Das Bedenkliche und möglicherWeise Verhängnißvolle dabei ist, daß die gemäßigte, besonnene Parteiin einem solchen unnatürlichen Bunde, der wenigstens von einerSeite auf einem Irrthum beruht, unfehlbar immer der betrogeneTheil ist, und zum Werkzeug der leidenschaftlicheren wird. Die ge-mäßigte Partei giebt oft nach, der Einigkeit wegen — die leiden-schaftliche nie und in nichts; dadurch wird sie die herrschende imBunde, auch wenn sie an Zahl die schwächere ist, — und an Geist