Frankreich, Oesterreich und der Krieg in Italien. (1859.) 221
der eines Unteroffiziers, dann darf er seine Stellung unter seinesGleichen eine beneidenswerthe nennen.
Auch von dem Offiziercorps kann man nicht sagen, daß esin irgend welchen Beziehungen zu den politischen Parteien im Landestünde. Aus einem sehr einfachen Grunde. Wer entschiedene poli-tische Grundsätze hat und einer bestimmten Partei angehört, der tritteben nicht in Dienste, um nicht gelegentlich seine eigene Partei be-kämpfen zu müssen. So finden sich denn unter den Offizieren jetztnoch weit weniger als zu irgend eurer früheren Zeit Leute, die aus-gebreitete und bedeutende Familien-Verbindnngen, bedeutende Inter-essen im Lande hätten. Dergleichen sind sehr seltene Ausnahmen.Abgesehen von denjenigen, die von der Pike an gedient haben, undals bejahrte Lieutenants oder ergrauende Capitaines ihre Abtheilun-gen führen, sind die Offiziere überwiegend Zöglinge der Militär-Schule von St. Chr — Söhne und Enkel früherer Offiziere; Sol-daten von Handwerk. Da ihnen die Interessen der inneren Politikund selbst die der Literatur ziemlich fremd sind; da die Regierungsich im Innern eben aus die bewaffnete Macht stützt, und dem Aus-land gegenüber eine Stellung angenommen hat, die fortwährendgünstige Aussichten aus Krieg, Beute, Beförderungen offen erhält,so sind sie ganz zufrieden mit der gegenwärtigen Ordnung der Dinge.Daß die Armee im Lande, namentlich bei den höheren Ständen, znrZeit nichts weniger als beliebt ist, empfinden die Herren nicht son-derlich, denn sie leben ohnehin meist unter sich, und suchen kaum eineandere Gesellschaft.
Eine sehr gute Stütze des Napoleonidcn-Throns sind dann end-lich, so seltsam das auch klingen mag — die Legitimisten! —Denn der Legitimismus ist überhaupt ein gar seltsames Ding ge-worden im Laus der Zeiten; ein Etwas, von dem man sich wohl schwer-lich einen richtigen Begriff macht, ohne es in der Nähe gesehen zu haben.
Man kann nicht sagen daß das Dasein dieser Partei, weder vondem ersten Augenblick an noch seit dem Sturz des ersten Kaiserthrons,Frankreich je zum Vortheil gerathen sei, und zwar aus sehr naheliegenden Gründen nicht. Das legitime Königthum nämlich ist dieserPartei doch am Ende nicht Zweck, sondern Mittel, wie das nun einmalin dem Wesen solcher Parteien liegt; der eigentliche Zweck ist vielfachin Partei- und Standes-Interessen zu suchen — und das legitime