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Zweiter Band.
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222 Frankreich, Oesterreich und der Krieg in Italien, (1859.)

Königthum hat eigentlich nur als Träger dieser Interessen und derWeltordnung die sie befriedigt, als Träger der Partei-Ideen einenWerth. Will es sich von diesen abwenden, so wird der Legitimismuszur Opposition; nach Gelegenheit zu einer sehr heftigen.

Auch dem Grafen von Chambord hat das Dasein dieser Partei,der Eifer mit dem sie ihm geräuschvoll huldigt, und dabei geflissentlichzu erkennen giebt, daß er ihr wenigstens eben so entschieden angehörtwie sie ihm, im Allgemeinen nicht wenig geschadet. Er hätte vielbessere Aussichten auf den Thron seiner Väter, wenn nicht diese inFrankreich verhaßte Partei sich so überlaut als sein unvermeidlicherAnhang darstellte. Denn man furchtet natürlich weniger Heinrich V.als eben die Partei, wenn ihr wieder gestattet werden sollte die Zügelder Herrschaft zu ergreifen, oder bedeutenden Einfluß auf den Gangder Regierung zu üben.

Einen Augenblick aber hat es gegeben, wo die Legitimsten ihremOberhaupte ausnahmsweise sehr nützlich hätten sein können; das warzu jener Zeit der Furcht und Rathlosigkeit unmittelbar nach der Fe-bruar-Revolution, als mau besorgte, der ganze gesellschaftliche Baukönnte zusammenbrechen, und in der Angst bereit war, zu dem erstenbesten Rettungsmittel zu greifen, das sich bot, und über untergeord-nete Bedenken hinweg zu sehen. Damals war dem Grafen vonChambord die Möglichkeit, den herrenlosen Thron Frankreichs ein-zunehmen geboten, ja nahe gelegt, eben weil er eine fertige, im Sü-den und Westen zahlreiche Partei vorfand, sie nicht erst zu bildenund zu sammeln brauchte; und leicht konnte sich Vieles, was sonstnoch den Rothen widerstrebte, in der Noth um diesen Kern schaaren.Der Augenblick war groß! Auch kam der in Frankreich ersehnte Fürstbis an den Rhein; da aber wurde ihm einleuchtend, daß es jenseitsdes Stroms, in dem Land, wohin man ihn rief, sehr unruhig zu-ging. Er sah, daß es sich doch nicht bloß um eine einfache Reisedurch Ehrenpforten und Blumengewinde, an einer jubelnden Bevöl-kerung in Feiertags-Gewändern vorüber, zu einem frohen Einzug inParis handelte; daß es vielmehr galt, Fährlichkeiten zu bestehen, zuhandeln und zu wagen. Da seine Anhänger ihm den Weg nicht ganzzu ebnen vermochten, kehrte er um und verschob seine Rückkehr indie Hauptstadt seines Reiches auf eine ruhigere, weniger leiden-schaftlich bewegte Zeit.