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Zweiter Band.
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226 Frankreich, Oesterreich und der Krieg in Italien (l.859).

irgend welchen Eindruck machte, ist nicht einen Augenblick festzu-halten; jeder Blick auf die Wirklichkeit, man möchte sagen, jederBlick zum Fenster hinaus zerstört sie unwiederbringlich. Sie sehenein, daß der alte Adel Frankreichs der Nation auf diese Weise immermehr entfremdet wird, immer mehr in Vergessenheit gerätst, immertiefer in die bedeutungsloseste Nichtigkeit versinkt. Aber sie dringenmit ihren Vorstellungen bei der eigenen Partei nicht durch.

Dieser alte Adel arbeitet sogar in mehr als einer Weise anseiner eigenen Vernichtung. Mit welchem Kummer sprechen oft ältere,wahrhaft ritterlich gesinnte, ehreuwerthe Männer der Partei im Ver-trauen von der legitimistischen Jugend! — Für die, sagen sie, istder Legitimismus kaum noch etwas Anderes als ein anständigerVorwand für den schnödesten Müßiggang! Ein Vorwand, sich vonjeder ernsten Thätigkeit fern zu halten, und sich ganz dem Jockey-Clubb und galanten Abenteuern in sittenloser Nichtigkeit hinzugeben.Der Umstand daß, wie die Sache ausgedrückt wird, „die jungenLeute durch ihre politischen Grundsätze von jeder Carriere ausgeschlossensind," wird zu einem willkommenen Vorwand, nichts zu lernen. Esgiebt natürlich Ausnahmen, und wir werden ihrer zu gedenkenhaben —: im Allgemeinen aber möchten die Klagen der strengenalten Herren wohl nur allzu begründet sein, und sollte je ein uner-warteter Glücksfall die legitimistische Partei wieder empor und andie Regierung bringen, so würde sich in betrübter Weise offenbaren,daß die ganze jüngere Generation, die ihr angehört, aus der Weltzu nichts zu brauchen ist. Ohnmächtig in Beziehung aus das, wasdas Ziel ihres eigenen Strebens sein müßte, sind die Legitimistendadurch zu einer Stütze des Kaiserthrons geworden, daß sie stetsbereit sind, jede Bewegung der Orleanisten undLiberalen zu durchkreuzen.

Wer längere Zeit in Frankreich verweilt, dem kann nicht ent-gehen, daß Napoleon III., der hauptsächlich auf die Armee rechnet,gern in der Kirche eine zweite Hauptstütze seines Throns gewinnenmöchte. Er ist in der That sehr eifrig damit beschäftigt, und bringtdiesem Streben große Opfer; mau kann aber nicht sagen, daß, sowie er sein Spiel der Kirche gegenüber spielt, der Vortheil aufseiner Seite wäre; im Gegentheil, er schadet sich wohl eher, und mandarf vielleicht sagen, daß er gerade auf diesem Gebiet seine schlimmstenFehler begeht.