Band 
Zweiter Band.
Seite
231
JPEG-Download
 

Frankreich, Oesterreich und der Krieg in Italien. (I8M.)

231

Moral, auf die das Ganze regelmäßiger Weise zugespitzt wird. DieArt wie dieses Heilmittel als nothwendig und berechtigt eingeführtwird, hat dann auch mitunter etwas sehr überraschendes. So hatteder Pater Combalot in einer Abend-Predigt das eben erwähnte haar-sträubende Bild von der verderbten Gegenwart entworfen, und dannseine Rede mit den ganz wie beiläufig, ohne allen Pathos hingewor-fenen Worten: „äsinniu, Nsssisnrs, ^s vons äirni lv rsmöäs n tontsseO — geschlossen. Das rsineäs n tont osoi war dann natürlicheben die Ohrcnbeichte. Hier erwähnte nun der Redner dessen, wasvom kirchengeschichtlichen Standpunkt gegen dieses „Sacrament" ein-gewendet werde, wie sich von selbst versteht, um es siegreich zu wider-legen. Man sage, die Ohrenbeichte sei nicht ein Institut der ursprüng-lichen christlichen Kirche; das sei ein Irrthum; die Ohrenbeichte seiallerdings von den allerersten Anfängen des Christenthums an,, alss ein nothwendiges Element der Religionsübnng eingeführt gewesen;

! das werde er uns aus der Bibel beweisen; dann mit Nachdruckund Würde, Prophetenhaft wiederholend: „Oui Llossisnrs! äs Inllibis! — blsoutsL es «ins äit Orixons!" — worauf dann Citatei aus dem Origenes und einigen anderen Kirchenvütern folgten, als, sei das die Bibel. Noch dazu waren es Stellen die — selbst vor-ausgesetzt daß sie treu wieder gegeben waren — doch nur in sehrgezwungener Weise aus die Ohrenbeichte bezogen werden konnten,wie sie jetzt in der katholischen Kirche geübt wird.

Die Regierung läßt den Klerus nicht allein in allen diesen Be-ziehungen gewähren: sie kommt auch sonst überall dem Verlangender Kirche bereitwillig entgegen, wo es sich um die Stiftung neuerKlöster, um Geld und Gut, um Einfluß auf die Laienschnlen han-delt. Sie leiht selbst gelegentlich der Kirche ihren Arm zu Ver-folgungen. Denn kluger Weise verdammt die Kirche nur — ohneje öffentlich zu thatsächlicher Verfolgung aufzufordern; sie deutetnur unter der Hand, ganz in der Stille, den Organen der Re-gierung, den weltlichen Behörden an, was sie gegen Protestanten,freie Aeußerungen der Presse und dergleichen verfügt zu sehen wünscht.Dann geschehen solche Dinge wie die Schließung des protestantischenBetsaals zu Manbeuge durch den Präfecten, ohne^daß dabei die lei-tende Hand des Priesters sichtbar wird.

Was Napoleon III. durch diese dienstbeflissene Gefälligkeit bei